Wenn man ein Problem lösen will muss man es zunächst mal verstehen und in der Lage sein, das Problem und seine Ursachen klar und eindeutig zu benennen. Der Klimawandel zum Beispiel ist keineswegs eine „Gefahr für die Erde“, wie das von interessierten Kreisen häufig allzu pathetisch und effektheischend kolportiert wird. Denn wir müssen ja nicht die Erde retten, die in den letzten 4,6 Milliarden Jahren schon ganz andere Herausforderungen überstanden hat, sondern wir müssen die Frage beantworten, ob bzw. wie sich Fortbestand der menschlichen Spezies (und diverser angrenzender Lebensformen und Ökosysteme) auf unserem Planeten mittel- bis langfristig gestalten und entwickeln soll.

Dabei sind das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und der damit einhergehende Ressourcenverbrauch und die daraus resultierenden Treibhausgasemissionen entscheidende Parameter. Dummerweise basiert unser gesamtes globales Wirtschaftssystem inklusive der Key Performance Indikatoren zur Steuerung von Unternehmen (Umsatz, Gewinn, Marktposition, Marktanteile, Marktkapitalisierung, …) auf dem Dogma des kontinuierlichen Wachstums und der rücksichtslosen Profitmaximierung. Ferner orientiert sich menschliches Handeln von Erwerbstätigen und Konsumenten primär an der Maximierung des individuellen Nutzens – gemessen in Einkommen, Vermögen, Lebensstandard, Komfort, Bequemlichkeit, Aufmerksamkeit oder Klickraten in sozialen Medien und eben nicht an altruistischen, abstrakten Kenngrößen wie dem CO2-Gehalt der Luft oder der Entwicklung der globalen Erderwärmung. Jeder, der schon mal in einer WG mit einer Gemeinschaftsküche gewohnt hat, eine öffentliche Toilette besucht hat oder mit seinen Kindern einen öffentlichen Spielplatz besucht hat, weiß das. Die Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim hat die Ursachen für dieses Phänomen in einem interessanten rund 15-minütigen YouTube-Video unter dem Titel „Spieltheorie des Lebens – Tragödie des Gemeinguts“ erläutert, welches am 19.06.2019 veröffentlicht wurde – Eingangszitat: „Dinge, die uns allen gehören bzw. die für uns alle da sind, werden meistens Scheiße behandelt“ – und das gilt auch für Klima und Umwelt.

Greta Thunberg, die damals 16-jährige Klimaaktivistin aus Schweden, schmetterte den Politikern und Top-Managern auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos zum Klimawandel und den Umgang dennoch entgegen: „I don’t want you to be hopeful, I want you to panic! I want you to feel the fear I feel every day and then I want you to act!“ (siehe: https://youtu.be/RjsLm5PCdVQ).

Diese Sichtweise ist aller Ehren wert, basiert jedoch auf einer falschen, alarmistischen Darstellung des Problems, denn weder steht unser Haus in Brand („Our house is on fire“), noch ist der Klimawandel die größte Herausforderung vor der die Menschheit je gestanden hat („Solving the climate crisis is the greatest and most complex challenge that Homo sapiens have ever faced“). Unser Haus, die Erde, wird durch den Klimawandel nicht niederbrennen, sondern seine menschlichen Bewohner verschlechtern durch ihr gedankenloses und asoziales Handeln lediglich ihre eigenen Lebensbedingungen und machen es im ungünstigsten Fall dadurch für sich selbst unbewohnbar.

Das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied und bei der Erörterung dieses Unterschiedes stößt man zwangsläufig auf eine Reihe wichtiger philosophischer, ethischer oder metaphysischer Fragen. Hinweis: Philosophie ist die Liebe zur Weisheit und Weisheit ist die praktische Einsicht in die vernünftigste Art der Lebensführung. Ethik ist die Lehre davon, was gut und was schlecht, was falsch und was richtig ist. Außerdem geht es in der Ethik um Regeln und Tugenden, Charakter und Laster (d. h. Untugenden) sowie um Erfolg und Glück. Metaphysik ist die Lehre vom „Sein“ bzw. davon was wirklich existiert. Die Metaphysik betrifft all die Fragen, bei denen es um die „letzten Dinge“ geht.

Zunächst möchte ich mit Ihnen einen faktenbasierten Blick auf den Gesamtkontext werfen, in dem die Diskussion über den Klimawandel zu führen ist.

Wir sitzen auf einem Sandkorn in der Wüste

Die Erde ist einer unter 70 Trilliarden Himmelskörpern im Universum  – das ist eine Sieben mit 22 Nullen. In der Milchstraße, also unserer Heimatgalaxie, gibt es 100 bis 300 Milliarden Sterne und im gesamten Universum gibt es 70 Trilliarden Sterne. Das Universum ist nicht unendlich. Es ist im Urknall entstanden und hat sich seither ausgedehnt. Außerhalb des Universums ist nach heutigem Kenntnisstand nichts. Das European Southern Observatory (ESO) hat diese Dimensionen 2018 in einem eindrucksvollen Video unter dem Titel „Zoom out from Garching to the Universe“ veranschaulicht.

Die Geschichte der Menschheit ist ein Wimpernschlag in der Ewigkeit

Das Alter des Universums ist anhand von Messungen durch das Weltraumteleskop Planck sehr genau bestimmt worden und zwar auf 13,81 ± 0,04 Milliarden Jahre. Die Erde entstand vor ca. 4,6 Milliarden Jahren. Wenn man sich die Erdgeschichte als ein Jahr mit 365 Tagen à 24 Stunden vorstellt und annimmt, die Erde wäre mit dem Neujahrstag entstanden, dann wären in den präkambischen Meeren Ende März unseres imaginären Jahres die ersten einfachen Lebensformen auf der Bildfläche erschienen. Mitte Mai des Jahres schließlich hatte die Atmosphäre etwa den heutigen Sauerstoffgehalt. Das Präkambrium ist mit Abstand der längste Abschnitt der Erdgeschichte und wurde erst vor ca. 541 bis 485,4 Millionen Jahren – oder Ende November des Jahres – vom Kambrium abgelöst, mit dem die explosionsartige Entwicklung des Lebens ihren Lauf nahm. Die kommenden Wochen waren deshalb die ereignisreichsten der ganzen Erd- und Lebensgeschichte. Aus den Einzellern wurden vielzellige Tiere und Pflanzen, die binnen Tagen die ganze Erde eroberten. Mitte Dezember des Jahres herrschten schon die Dinosaurier – bis ihnen am 26. Dezember des Jahres ein kleinstadtgroßer Asteroid mit einem Schlag den Garaus machte. Der Mensch tauchte erst in den späten Abendstunden des 31. Dezember auf. Gegen 23:59 Uhr am Silvestertag schmolzen die letzten Gletscher der Eiszeit, und kaum drei Sekunden vor Mitternacht am letzten Tag des Jahres entdeckte Christoph Kolumbus (1451-1506) Amerika.

Die Menschheit wächst und wächst – und mit ihr die Probleme für Klima und Umwelt

Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist nach dem Aussterben der Neandertaler vor 30.000 Jahren und des Homo floresiensis vor 60.000 Jahren die einzige überlebende Art der Gattung Homo. Nach der Theorie des genetischen Flaschenhalses erlitt der moderne Mensch den für seine Existenz bedrohlichsten Rückgang seiner Bevölkerung vor 75.000 Jahren, als sich nach dem Ausbruch des Supervulkans Toba (heute der Tobasee auf Sumatra) weltweit nur 1.000 bis 10.000 Menschen retten konnten (siehe auch Toba-Katastrophentheorie). Danach verbreitete sich der moderne Mensch von Afrika aus über den gesamten Erdball. Bis zum Ende der letzten Kaltzeit vor 10.000 Jahren lebten dann etwa 5 bis 10 Millionen Menschen auf dem Planeten. Die Größe der Weltbevölkerung vor 2000 Jahren wird auf 170 bis 400 Millionen geschätzt (die UN geht von 300 Millionen aus). Vor 1000 Jahren lebten 250 bis 350 Millionen Menschen (die UN nimmt 310 Millionen an). Nach dieser Stagnation der Bevölkerungsentwicklung im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung begann das Wachstum im Hochmittelalter erneut, erlitt im Spätmittelalter jedoch Einbrüche durch Pest, Pocken und andere Seuchen. Vor 500 Jahren hatte die Weltbevölkerung eine Größenordnung von 425 bis 540 Millionen (die UN geht von 500 Millionen aus). Nach dem Jahr 1700 setzte ein rapides Bevölkerungswachstum ein. Erstmals in der Menschheitsgeschichte lag die Verdopplungszeit im Bereich von Jahrhunderten und schließlich Jahrzehnten. Um das Jahr 1804 überschritt die Weltbevölkerung die Anzahl von einer Milliarde Menschen. Innerhalb des 20. Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung etwa verdreieinhalbfacht:

  • 1804: 1 Milliarde
  • 1927 (nach 123 Jahren): 2 Milliarden
  • 1960 (nach 33 Jahren): 3 Milliarden
  • 1974 (nach 14 Jahren): 4 Milliarden
  • 1987 (nach 13 Jahren): 5 Milliarden
  • 1999 (nach 12 Jahren): 6 Milliarden
  • 2011 (nach 12 Jahren): 7 Milliarden Menschen

Aktuell (01.03.2021) leben ca. 7,85 Milliarden Menschen auf der Erde, spätestens 2023 (nach 12 Jahren) wird mit dem Erreichen einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden Menschen gerechnet und bis 2050 sollen ca. 9,8 Milliarden Menschen auf dem Planeten leben – rund 80% davon in aufstrebenden, schnell wachsenden Volkswirtschaften in Asien und Afrika. Bei einem Bevölkerungswachstum von jährlich rund 80 Millionen Menschen steigt die Zahl der Erdenbürger aktuell jeden Tag um fast 220.000 und in jeder Minute um über 150 Menschen.

In entwickelten Staaten hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung seit dem Mittelalter fast verdreifacht

Zur Errechnung der durchschnittlichen Lebenserwartung wird das Alter aller Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes zusammengerechnet und dann durch die Anzahl der Menschen dividiert. Es werden also verstorbene Kinder ebenso dazugerechnet wie 90-jährige Frauen und Männer. Im Mittelalter starb in Europa eines von zwei geborenen Kindern bereits im ersten Lebensjahr. Auch in guten Zeiten starb jedes fünfte Kind, bevor es zwei Jahre alt werden konnte. Von den 20 Kindern einer mittelalterlichen Mutter in Europa erreichten letztendlich nicht mehr als ein bis zwei Kinder das Heiratsalter. Man kann die Lebenserwartung für Männer und Frauen getrennt ausrechnen oder für Männer und Frauen zusammen. Im Mittelalter lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei den Frauen nur bei 29,8 Jahren bedingt durch viele Schwangerschaften und Geburten – 20 Niederkünfte in einer Ehe waren keine Seltenheit – und die schweren körperlichen Haus- und Feldarbeiten. Männer dagegen waren besonders in den ersten zwei Jahren ihres Lebens besonders anfällig für Krankheiten. Wenn sie diese kritische Zeit überwunden hatten, erreichten sie ein Lebensalter zwischen 40 und 60 Jahren. Die hohe männliche Sterberate bei Kleinkindern drückte die durchschnittliche männliche Lebenserwartung im Mittelalter in Europa jedoch auf 28,4 Jahre.

In Deutschland lebten im Jahr 2019 lebten 83,17 Millionen Menschen (42,13 Millionen Frauen und 41,04 Millionen Männer). Frauen haben laut Statistischem Bundesamt in Deutschland eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 83,4 Jahren, während Männer nur auf ca. 78,6 Jahre kommen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung (Männlein und Weiblein) liegt also bei ca. 81 Jahren. Das heißt wir haben in Deutschland unsere durchschnittliche Lebenserwartung seit dem Mittelalter fast verdreifacht (Faktor: 2,8). Insbesondere in den vergangenen 130 Jahren hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland deutlich erhöht:

  1. Eine in der letzten Dekade des 19. Jahrhunderts (1891 bis 1900) in Deutschland geboren Frau konnte mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von nur 44 Jahren rechnen; bei Männern waren es 40,6 Jahre.
  2. Frauen, die kurz nach dem zweiten Weltkrieg (1949 bis 1951) in Deutschland geboren wurden, hatten eine durchschnittliche Lebenserwartung von 68,5 Jahren, während Männer auf 64,6 Jahre kamen.
  3. In 1995 bis 1997 geborene Frauen erreichten erstmalig eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80,0 Jahren (Männer: 73,6 Jahre).

Statistisch findet man an den Rändern jeder größeren sozialen Gruppe extremes oder asoziales Verhalten

Die Gaußsche Normalverteilung ist das „Schweizer Taschenmesser“ der Statistik. Die Gaußsche Normalverteilung ist die wichtigste Verteilung der Statistik und wird sowohl in Naturwissenschaften als auch in Geistes- und Wirtschaftswissenschaften bei statistischen Auswertungen für Gruppen verwendet, deren tatsächliche, den Daten zugrunde liegende Verteilungsfunktion unbekannt ist. Beispiel: Intelligenz, Körpergröße (eines einzigen Geschlechts), sogar Sozialkompetenz: all diese Werte sind normalverteilt. So sind die meisten Menschen durchschnittlich groß und nur sehr wenige sehr groß oder sehr klein. Sogar Einkommen wird normalverteilt, wenn man die Daten vorher logarithmiert. Nach der Gaußschen Normalverteilung gibt es am rechten und linken Rand jeder größeren sozialen Gruppe je ca. 16,5 % Menschen mit extremen Ansichten oder extremem Verhalten, während die Mitte von ca. 67 % mehr oder weniger unauffälligen „Normalos“ gebildet wird (siehe Grafik). Wirft man gelegentlich einen Blick in Facebook oder Twitter, könnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass die Relationen umgekehrt sind, dass es also 67 % Bekloppte und nur 33 % Normalos gibt. Aber das ist ein anderes Thema …

Die zwei Mal 16,5 % sind insofern ein Problem, weil sie dort (zu) viele Individuen finden, die sich nicht an Regeln halten – bei den armen oder sozial schwachen 16,5 % u. a. aus purer Existenznot und bei den wohlhabenden und sozial starken 16,5 % u. a. aus Gedanken- oder Rücksichtslosigkeit. Laut einem Oxfam-Bericht aus dem Jahr 2020 unter dem Titel „Confronting Carbon Inequality“ (also „Bekämpfung der CO2-Ungleichheit“) anlässlich der klimapolitischen Gespräche im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York sind die reichsten 10 % – im Jahresschnitt 630 Millionen Menschen – für über die Hälfte (52 %) der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, die in dem Vierteljahrhundert zwischen 1990 und 2015 ausgestoßen wurden. Das reichste 1 % alleine schädigte das Klima sogar doppelt so stark wie die ärmere Hälfte der Welt: Es verantwortete 15 % der Gesamtemissionen, die ärmere Hälfte hingegen nur rund 7 %.

Wobei diese Betrachtungsweise leider die Wachstumsdynamik bei Bevölkerung, Wirtschaftskraft und Wohlstand in Entwicklungs- und Schwellenländern außer Acht lässt, die durch die sogenannte IPAT-Equation auf den Punkt gebracht wird: Wenn eine stark wachsende Zahl von Menschen immer mehr Ressourcen pro Kopf verbraucht und die Auswirkungen des Resourcenverbrauchs pro Kopf auf Klima und Umwelt zunehmen, dann laufen wir unweigerlich in gravierende Probleme.

Menschen verhalten sich nicht rational, sondern irrational, selbst wenn sie sich dadurch selbst schaden

Beispiel-Nr. 1: Laut dem „State of Digital“-Report von Hootsuite und We are Social aus dem Januar 2021 verplempert der durchschnittliche Erdenbewohner im Alter zwischen 18 und 64 Jahren ca. ein Drittel seines Lebens im Internet bzw. mit sozialen Medien und Fernsehen. Eine Auszug aus den überaus interessanten Daten und Fakten dieses Report können Sie in meinem Blog „Googeln Sie noch oder leben Sie schon?“ vom 16.02.2021 nachlesen.

Beispiel-Nr. 2: Laut dem gleichen Report nutzten 4,66 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt im Januar 2021 das Internet – die Internet-Durchdringung liegt damit bei 59,5 % der Weltbevölkerung. COVID-19 hat die Entwicklung der Internet-Nutzerzahlen erheblich beeinflusst, so dass die tatsächlichen Zahlen höher sein dürften. Und es gab zum gleichen Zeitpunkt 4,20 Milliarden Nutzer sozialer Medien auf der ganzen Welt – was 53,0 % der Weltbevölkerung entspricht. Das bedeutet nichts anderes, als dass mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung freiwillig seine personenbezogenen Daten in den weit geöffneten Rachen amerikanischer und chinesischer Datenkraken wirft, deren Geschäftsmodell darin besteht, durch gezielte individuelle Adressierung von Werbung auf Basis von sozialer Verhaltenskontrolle Menschen zu manipulieren und zu noch mehr Konsum zu animieren. Surreal, finden Sie nicht? Welche Folgen diese Datensammelwut hat, können Sie in meinem Blog „Kontrolle über Daten ist Kontrolle über Menschen“ vom 14.01.2021 nachlesen.

Beispiel-Nr. 3: In sogenannten „entwickelten Staaten“ stirbt die Mehrzahl der Menschen an Herz-/Kreislauf-Erkrankungen – primär verursacht durch ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Laut der Deutschen Adipositas Gesellschaft sind in Deutschland rund zwei Drittel (67%) der Männer und die Hälfte (53%) der Frauen übergewichtig (BMI ≥ 25 kg/m2), rund ein Viertel der Erwachsenen ist stark übergewichtig (adipös; BMI ≥30 kg/m2) – 23% der Männer und 24% der Frauen. Im Jahr 2019 verstarben in Deutschland insgesamt 939.520 Menschen, darunter 465.885 Männer und 473.635 Frauen. Die häufigste Todesursache im Jahr 2019 war, wie schon in den Vorjahren, eine Herz-/Kreislauf-Erkrankung. Ca. 35 % aller Sterbefälle (331.211 Menschen) waren darauf zurückzuführen. Zweithäufigste Todesursache waren die Krebserkrankungen: Rund 25 % aller Verstorbenen (231.318 Menschen) erlag im Jahr 2019 einem Krebsleiden. Krankheiten des Atmungssystems folgten auf Platz 3 mit 7 % und psychische Verhaltensstörungen auf Platz 4 mit 6 %. Nur 4,4 % aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung oder Vergiftung zurückzuführen (41.779 Sterbefälle). In 16.657 Fällen war ein Sturz die Ursache für den Tod und in 3.046 Fällen ein Verkehrsunfall (2020: 2.724 Verkehrstote).

Rhetorische Frage: Kann man von Menschen, die das Wertvollste, was sie haben – ihre eigene (körperliche und psychische) Gesundheit – mutwillig mit Füßen treten, die ein Drittel ihres Lebens im Internet bzw. mit sozialen Medien und Fernsehen verplempern und die ihre Privatsphäre ohne Rücksicht auf die Folgen freiwillig aufgeben, um „soziale Medien“ kostenlos nutzen zu können, erwarten, dass sie sich im Umgang mit Klima und Umwelt verantwortungsvoll und zum Wohle der Gemeinschaft verhalten? Kann bzw. sollte man Bürger und Konsumenten durch staatliche Zwangsmaßnahmen (Steuern, Gesetze, Regeln, Sanktionen, …) zu ihrem Glück zwingen? Ich halte dies nicht für einen guten und Erfolg versprechenden Weg. Wie schnell Menschen staatlicher Gängelung und Bevormundung überdrüssig werden, können wir im Zuge der Bewältigung der Coronakrise seit März 2020 besichtigen. Und indirekte Steuern und Abgaben, wie z. B. Verbrauchssteuern oder CO2-Abgaben, treffen überproportional stark die sozial schwachen Schichten der Gesellschaft und verstärken damit die ohnehin problematische Ungleichheit selbst in „reichen“ Staaten wie Deutschland. Hintergrundinformationen zu diesem Thema finden Sie in meinem Blog „Ungleichland und seine Folgen“ vom 08.05.2018. Nicht zu vergessen: Ob bzw. wie stark sich die Erde erwärmt wird sich primär in den bevölkerungsreichen, schnell wachsenden Volkswirtschaften Asiens und Afrikas entscheiden. Wenn es nicht gelingt, deren Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Wohlstandswachstum von der Verbrennung fossiler Energieträger zu entkoppeln, dann fährt der Karren gegen die Wand. Die Zuwächse bei den CO2-Emissionen von China, Indien und den großen afrikanischen Staaten können die Industriestaaten mangels Masse nicht kompensieren (siehe „Facts and figures on climate change and global warming“ vom 12.09.2019. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir alles laufen lassen sollten, aber ohne intelligente Fokussierung auf die wesentlichen Hebel wird der Klimawandel nicht zu stoppen sein.

Fazit:

Greta Thunberg sagte auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos: „The main solution, however, is so simple that even a small child can understand it. We have to stop our emissions of greenhouse gases.“ und sie argumentiert, dass uns laut IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) nur noch 12 Jahre Zeit blieben, um eine unumkehrbare Kettenreaktion zu verhindern, durch die sich die Erde dauerhaft um mehr als 1,5 Grad erwärmen würde.

Ich fürchte, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Wenn umwelt- und klimafreundliche Produkte, Services und Verhaltensweisen tatsächlich zu mehr Wachstum und höheren Profiten führen würden, als umwelt- und klimaschädliche Produkte, Services und Verhaltensweisen, würden wir weder Subventionen für Erneuerbare Energien zur Erzeugung von Strom und Wärme, noch Subventionen für Elektroautos benötigen. Kluge Investoren, die sich für Wachstum und Profite interessieren, würden umwelt- und klimafreundliche Technologien und Geschäftsmodelle freiwillig finanzieren. Leider wächst der Anteil Erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch jedoch trotz umfangreicher staatlicher Subventionen viel zu langsam und es werden in fast allen großen Pkw-Absatzmärkten auf dem Planeten immer noch viel mehr Autos mit Verbrennungsmotor verkauft, als reine Elektroautos (abgesehen davon, dass im Hinblick auf Klima und Umwelt nicht der Antrieb eines Pkw das wesentliche Problem ist, sondern das Paradigma des Pkw selbst, der zu viele Ressourcen und zu viel Platz verbraucht). Wir werden innerhalb von 12 Jahren sicher nicht das komplette Finanz- und Wirtschaftssystem verändern, welches den Rahmen für die globale Zusammenarbeit bildet.

Andererseits: Was soll’s? Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir auf einem von 70 Trilliarden Himmelskörpern im Universum sitzen, erst im letzten Augenblick der 4,6 Milliarden Jahre alten Erdgeschichte auf der Bildfläche erschienen sind und einen erheblichen Teil unserer begrenzten Lebenszeit mit sinnlosen oder sogar gesundheitsschädlichen Aktivitäten verplempern, ist die Frage nicht unberechtigt, ob es ein Verlust wäre, wenn die Menschheit sich durch dummes, egoistisches und kurzsichtiges Denken und Handeln selbst in den Orkus befördert.

Aus dem Blickwickel der Evolution gibt es nicht einen einzigen nennenswerten Grund, warum der Mensch eine besondere oder gar besonders wertvolle oder erhaltenswerte Spezies darstellen sollte – ganz im Gegenteil: Der Mensch erfüllt wesentliche Kriterien, mit denen er selbst Viren oder Parasiten charakterisiert:

  • Viren – von lateinisch virus, „natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft, Gift“ – sind infektiöse organische Strukturen, die sich als Virionen außerhalb von Zellen (extrazellulär) durch Übertragung verbreiten, aber als Viren nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle (intrazellulär) vermehren können. Sie selbst bestehen nicht aus einer oder mehreren Zellen. Alle Viren enthalten das Programm zu ihrer Vermehrung und Ausbreitung (einige Viren auch weitere Hilfskomponenten), besitzen aber weder eine eigenständige Replikation noch einen eigenen Stoffwechsel und sind deshalb auf den Stoffwechsel einer Wirtszelle angewiesen. Daher sind sich Virologen weitgehend darin einig, Viren nicht zu den Lebewesen zu rechnen. Man kann sie aber zumindest als „dem Leben nahestehend“ betrachten, denn sie besitzen allgemein die Fähigkeit, ihre Replikation zu steuern, und die Fähigkeit zur Evolution. Viren weisen keine Farben und keine Schatten auf.
  • Der Begriff „Parasit“ leitet sich etymologisch ab von dem altgriechischen παράσιτος parásitos (deutsch: bei einem Anderen essend), während der Begriff „Schmarotzer“ auf das altgriechischee παρά pará (deutsch ‚neben‘) sowie σῖτος sītos (deutsch: ‚Getreide‘ bzw. [‚aus Getreide hergestelltes‘] Nahrungsmittel zurückgeht. Parasitismus (auch Schmarotzertum genannt) bezeichnet innerhalb der Tier- und Pflanzenwelt das Phänomen, dass ein Organismus oder Virus (Parasit) einen in der Regel erheblich größeren Organismus einer anderen Art als Wirt missbraucht. Der Wirt dient dem Parasiten für die Nahrungsversorgung (meist in Form von Blut oder anderen Körpersekreten) und in einigen Fällen darüber hinaus auch längerfristig als Lebensraum. Der Wirt wird dabei vom Parasiten gesundheitlich geschädigt, bleibt in der Regel jedoch am Leben. Die Folgen von parasitärem Befall reichen neben der Stich- bzw. Bissverletzung von massiven körperlichen Beschwerden über schwere Infektionskrankheiten bis hin zum Tod in Extremfällen. Die bekanntesten und verbreitetsten Parasiten des Menschen sind unter anderem Menschenläuse, Stechmücken und diverse Zecken- und Würmerarten. Der bekannte englische Ökologe Elton hat das einmal treffend so ausgedrückt: „Der Räuber lebt vom Kapital, der Parasit vom Einkommen.“ Ein Räuber muss in der Regel größer und stärker als sein Beutetier sein, während die Schmarotzer umgekehrt meist erheblich kleiner als ihre Wirte sind.

Lassen Sie uns der Wahrheit ins Auge sehen: Aus dem Blickwinkel der Erde sind wir Menschen nichts anderes als lästige temporäre Viren oder Parasiten, die sich insbesondere in den letzten gut 320 Jahren seit 1700 so stark vermehrt haben, dass sie durch übermäßigen Ressourcenverbrauch und ausufernde Schadstoffemissionen zu einem Ärgernis geworden sind, ähnlich wie Fußpilz oder Mundgeruch. Niemand würde unsere Spezies vermissen, wenn wir plötzlich weg wären – und mit uns unsere ganzen fragwürdigen und nervtötenden Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Kriege, Mobbing, Misshandlung, Unterdrückung und Benachteiligung von Minderheiten, moralinsaure Selbstgerechtigkeit, Heuchelei und Doppelmoral, intoleranter Umgang mit Andersdenkenden, Neid, Missgunst, Häme, Respektlosigkeit, Schadenfreude, Gier, hemmungsloser Konsumterror, Finanzspekulationen zulasten der Gesellschaft, Verschwendung von Lebenszeit mit Internet, sozialen Medien und Fernsehen oder eben der ruinöse Umgang mit unserer eigenen Gesundheit.

P. S.: Bärtierchen

Da lobe ich mir das Bärtierchen (Tardigrada) – auch Wasserbär genannt – welches einen Tierstamm innerhalb der Häutungstiere (Ecdysozoa) bildet. Die meistens weniger als einen Millimeter großen achtbeinigen Tiere erinnern durch ihr Aussehen und ihre tapsig wirkende Fortbewegungsweise etwas an Bären, was zu ihrer Bezeichnung im deutschen Sprachraum führte. Auch ihr wissenschaftlicher Name (Zusammensetzung aus lateinisch tardus ‚langsam‘ und gradus ‚Schritt‘) geht auf die langsame Fortbewegung zurück.

Bärtierchen gibt es schon seit über 500 Millionen Jahren. Sie sind enorm vielfältig und werden bis zu 60 Jahre alt. Entdeckt wurden sie vor rund 250 Jahren, inzwischen sind über 1300 Arten beschrieben – vermutlich gibt es aber noch viel mehr. Sie kommen auf der ganzen Welt vor und leben sowohl in Gebirgen als auch in Regenwäldern, im Süss- und im Salzwasser. Sie bevölkern aber auch andere feuchte Lebensräume. Viele von ihnen leben auf Moosen – und einige auch in Dachrinnen. Aktiv sind die drolligen Tierchen nur, wenn sie mit einem Wasserfilm bedeckt sind, Trockenperioden und Temperaturextreme können sie aber gut überstehen – ebenso wie einen stark schwankenden Salzgehalt im Wasser, hohen Druck, Strahlung oder Sauerstoffmangel. So können sie Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (–273 °C) und bis zu 150 °C ertragen. Während andere Tiere bereits nach drei Tagen ohne Wasser an lebensbedrohlichem Flüssigkeitsmangel leiden, kann das Bärtierchen problemlos 10 Jahre ohne Wasser überleben. Und wie wäre es mit einem Weltraumflug ohne Schutzausrüstung? Für Menschen unmöglich, für das Bärtierchen nichts Besonderes. Steckt man ein Bärtierchen in eine Gefriertruhe bei minus 80 Grad für ein Jahr oder zehn wird es wird 20 Minuten nach dem Auftauen wieder herumwuseln. Bärtierchen überleben als einzige bekannte Tierart selbst im Vakuum des Weltalls.

Wir Menschen werden vermutlich früher oder später aussterben. Wissenschaftler sind sich nur noch nicht einig, innerhalb welchen Zeitraums es soweit sein wird – zwischen 100 Jahren bis 5 Milliarden Jahren ist alles drin. Eines scheint nun jedoch sicher: das Bärtierchen wird uns alle überleben. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie von Forschern aus Harvard und Oxford, die in 2017 veröffentlicht wurde.

Und sympathisch schauen sie auch noch drein, finden Sie nicht?

Ein Kommentar zu „Von Menschen, Viren und Parasiten …

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