Dieser Auszug aus einem Interview von Ralph Dommermuth (CEO von United Internet) mit der Zeitschrift „BILANZ“, das am 24.03.2017 im Online-Portal der WELT veröffentlicht wurde, sollte von jedem „Weltmarktführer“ in der deutschen Industrie gelesen und verstanden werden – einschließlich der Umsetzung der notwendigen Schlussfolgerungen, denn die Digitalisierung birgt nicht nur erhebliche Chancen für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern auch erhebliche Risiken:

„Die Initiative unserer Internet Economy Foundation (https://www.ie.foundation/) zielt vielmehr auf die grundsätzliche volkswirtschaftliche Herausforderung der Digitalisierung. Die Schlüsselfrage lautet doch, ob Deutschland und Europa bei dieser Technik, die über kurz oder lang alle Branchen betreffen wird, eine Hauptrolle spielen will. Oder ob wir mit einer Nebenrolle zufrieden sind.

Deutschland spielt nach übereinstimmender Meinung zurzeit eher eine Nebenrolle. Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten daran gewöhnt, dass in der Informationstechnik die Geräte vor allem aus Asien und die Anwendungen und Geschäftsmodelle vorwiegend aus den USA stammen. In Deutschland bauen wir Maschinen, Autos und stellen Pharmazeutika her.

Die Folgen dieser internationalen Arbeitsteilung sind allerdings tiefgreifend, wie man seit einiger Zeit beobachten kann. Sie wird gerade beschleunigt durch die Vernetzung von Maschinen und die Entwicklung von Big Data. Diese Entwicklung verändert die alte Arbeitsteilung massiv, weil die IT-Branche zunehmend in andere Industrien vordringt und dort nicht mehr nur Hardware und Software liefert, sondern durch leistungsfähige Online-Plattformen die etablierten Hersteller von ihren Kunden trennt. Das fing in der Medienbranche an und setzte sich in Tourismus, Verkehr, Handel und Telekommunikation fort.

Insbesondere amerikanische Internetunternehmen entwickeln Plattformen, die eine Branche nach der anderen verändern. Durch diese Disruption übernehmen die Plattformbetreiber faktisch die Kunden der alten Hersteller, ziehen einen Teil der Wertschöpfung ab und setzen neue Branchenstandards.

Grundsätzlich ist gegen Innovationen und Veränderungen nichts zu sagen – das gehört zur Wirtschaft. Aber dabei muss sichergestellt werden, dass marktbeherrschende Stellungen verantwortungsbewusst genutzt werden und dass die Wertschöpfung nicht von einem Monopol aufs nächste übertragen werden darf.

Spätestens mit den ersten Betriebssystemen für selbstfahrende Autos ist die Bedrohung auch den meisten Politikern klar geworden. Auch die Politiker wissen, dass unsere Volkswirtschaft in große Schwierigkeiten geraten wird, wenn es in der Automobilindustrie genauso endet wie bei Mobiltelefonen. Wenn Apple, Google & Co. ihre Betriebssysteme als Standard für selbstfahrende Autos durchsetzen, um anschließend Anwendungsmöglichkeiten und Innovationsgeschwindigkeit vorzugeben. Und wenn wir in Deutschland sprichwörtlich nur noch das Blech biegen.“

Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article163116816/Ist-es-schlauer-Amerikanern-den-Markt-zu-ueberlassen.html

P.S.: Einige sehr gute Vorschläge zu den wichtigsten Handlungsfeldern der digitalen Transformation in Deutschland findet man in der IEF-Studie „Deutschland digital – Sieben Schritte in die Zukunft“ (https://www.ie.foundation/content/4-publications/rb_cop_16_002_ief_studie_online.pdf), die gemeinsam mit Roland Berger erstellt und am 14.04.2016 veröffentlicht wurde.

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