Die WELT hat am 10.03.2018 ein Interview mit der neuen „Staatsministerin für Digitales“, Dorothee Bär, veröffentlicht unter dem (völlig unpassenden) Titel „Facebook wird zu einem Seniorennetzwerk“: https://www.welt.de/politik/deutschland/article174401539/Dorothee-Baer-Facebook-wird-zu-einem-Seniorennetzwerk.html.

Ich vermisse bei allen bisherigen Einlassungen von Frau Bär oder von anderen führenden Politikern in Deutschland die Erkenntnis, dass die Bundesrepublik dringend eine ressortübergreifende Strategie für die Digitalisierung benötigt, die dafür sorgt, dass alle wesentlichen Architekturbausteine und Rahmenbedingungen miteinander in Einklang gebracht werden (u. a. werkeln bislang 482 Mitarbeiter in 14 Bundesministerien verteilt auf 244 Teams in 76 Abteilungen vor sich hin).

Dazu gehört die flächendeckende Versorgung mit Breitbandnetzen genauso, wie die Förderung von Startups und Plattformunternehmen, die Digitalisierungskompetenz der Regierung, des Parlaments, der Verwaltung und der Bürger, Forschung und Entwicklung im Bereich innovativer Schlüsseltechnologien (z. B. das Blockchain-basierte Web 3.0, mit dem deutsche/europäische Unternehmen die Dominanz der US-Datenkraken Google, Apple, Facebook und Amazon brechen könnten), Schutz der Privatsphäre der Bürger und des geistigen Eigentums von Unternehmen, Rechtsgrundlagen für die Entwicklung und Nutzung innovativer Schlüsseltechnologien (z. B. Autonomes Fahren, „Flugtaxis“, Pflegeroboter), die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und Justiz (inklusive Bürgerportal mit Self-Services) oder die Abwehr von Cyberattacken von Staaten oder Terroristen:

Eine umfassende Betrachtung finden Sie in meinem Blog „Digitalisierungsstrategie für Deutschland“ vom 16.02.2018: https://kubraconsult.blog/2018/02/17/digitalisierungsstrategie-fuer-deutschland/. Die wesentlichen Inhalte einer Digitalisierungsstrategie für Deutschland entnehmen Sie bitte der folgenden Grafik:

Wer ist eigentlich auf den irreführenden Titel „Staatsministerin für Digitales“ gekommen? Der Begriff „Digitales“ hat eine völlig andere Bedeutung, als der Begriff „Digitalisierung“. Digitale Signale bestehen aus Binärcode, also Bits und Bytes mit Nullen und Einsen, während es bei der Digitalisierung um innovative Geschäftsmodelle auf Basis von Daten geht (Gartner-Definition: „Digitalization is the use of digital technologies to change a business model and provide new revenue and value-producing opportunities; it is the process of moving to a digital business.“).

Nun ja, sehen wir das Positive: Die Entscheidung, diese Funktion im Kanzleramt anzusiedeln, finde ich gut, denn es handelt sich im Wesentlichen um eine Strategieentwicklungs- und Koordinationsaufgabe, bei der kurze Wege zur Kanzlerin nur von Vorteil sein können.

Der zweite Schritt wäre nun, den wirklichen Handlungsbedarf zu erkennen und ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Bislang höre und sehe ich nur ein wildes Sammelsurium von Buzzwords ohne jeglichen Zusammenhang. Unsere Industrie kann jedoch die tollsten „Flugtaxis“ der Welt entwickeln, die kein Mensch kaufen wird, solange die rechtlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen fehlen.

Und solange Heinz und Lieschen Müller glauben, die Digitalisierung erschöpfe sich in der Bereitstellung schneller Datenleitungen, damit sie ihre Netflix-Filmchen abends auf dem heimeligen Sofa ruckelfrei in noch höherer Auflösung anschauen können, werden wir in Deutschland auch keine Innovationskultur entwickeln und weiterhin in innovationsfeindlicher „Reichsbedenkenträgerei“ ersticken.

Gerade dem Thema „Digitalisierungskompetenz“ kommt meines Erachtens eine entscheidende Bedeutung zu – und das beginnt schon in der Schule, wenn nicht sogar im Kindergarten.

Lisa Baur hat diesem Kontext am 06.03.2018 einen interessanten Artikel unter dem etwas sperrigen Titel „Weiblicher Nachwuchs für die IT: Durch Mentoren und Vorbilder das Interesse an MINT-Fächern stärken“ veröffentlicht: http://confare.at/weiblicher-nachwuchs-fuer-die-it/.

Zitat daraus: „Einer der Hauptgründe für den fehlenden weiblichen Nachwuchs ist vor allem das Interesse an den sogenannten MINT-Fächern. Die von KRC-Research für Microsoft erstellte Studie ergab erstaunliche Ergebnisse: Mädchen entwickeln im Alter von elfeinhalb Jahren ein hohes Interesse an MINT-Fächern – dieses sinkt im Alter von 16 allerdings rapide ab. Warum verlieren junge Mädchen schon so früh das Interesse an naturwissenschaftlichen und technologischen Fächern? Und das gerade in dem Lebensabschnitt, in welchem die Berufs- und Studienwahl langsam in die heiße Phase geht. Die Faktoren, die das Interesse der Mädchen an MINT-Fächern beeinflussen, sind laut Studie vor allem weibliche Vorbilder, praktische Erfahrungen, Gleichbehandlung von Männern/Frauen und Mentoren bzw. Lehrer, die über MINT-Fächer informieren.“

Ergänzender Hinweis meinerseits: Nicht nur beim weiblichen Nachwuchs kommt der Schule eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung von „Digitalisierungskompetenz“ zu.

Umfassendere Überlegungen zu den „Sozio-ökonomischen Folgen der Digitalisierung“ finden Sie in meinem gleichnamigen Blog vom 14.03.2017: https://kubraconsult.blog/2017/03/14/die-soziooekonomischen-folgen-der-digitalisierung/.

Und eine verständliche Einführung in „Digitale Geschäftsmodelle und Plattformökonomie“ finden Sie in meinem gleichnamigen Blog vom 06.09.2017: https://kubraconsult.blog/2017/09/06/digitale-geschaeftsmodelle-und-plattformoekonomie/.

Die Frage „Was können die digitalen Champions von morgen von Apple, Google, Amazon, Facebook & Co. lernen“ beantworte ich in meinem gleichnamigen Blog vom 03.03.2017: https://kubraconsult.blog/2017/01/20/was-koennen-die-digitalen-champions-von-morgen-von-apple-google-amazon-facebook-co-lernen/.

Einen sehr interessanten (englischsprachigen) Artikel zu den Potenzialen des „Web 3.0“ hat Matteo Gianpietro Zago am 30.01.2018 unter der Überschrift „Why the Web 3.0 Matters and you should know about it“ auf Medium.com veröffentlicht: https://medium.com/@matteozago/why-the-web-3-0-matters-and-you-should-know-about-it-a5851d63c949.

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