Mobilitätstipp für echte Profis: Warten Sie mit dem Kauf Ihres Tesla Model 3 unbedingt, bis das Einstiegsmodell nur noch 1 Bitcoin kostet. <Ironie aus>

Aktueller Preis des Tesla Model 3 in Deutschland:

Aktueller Kurs des Bitcoin in Euro (1 Euro = 1,1917 US-Dollar – Stand jeweils 03.01.2021):

Falls Sie diesen Kalauer nicht auf Anhieb verstehen, können Sie die Zusammenhänge in meinem Blog „Bitcoin, Tesla und Bubble Economy“ vom 02.01.2021 nachlesen.

Die Kernaussagen dieses Blogs fasst die folgende Grafik mit den Kursverläufen des Bitcoin seit 2016 (oben) und der Tesla-Aktie seit 2011 (unten) jeweils in US-Dollar auf einen Blick zusammen:

Kurz vor Weihnachten, am 20.12.2020, hatte sich Tesla-CEO Elon Musk auf Twitter öffentlichkeitswirksam Tipps von Michael Saylor, Konzernchef des Softwareherstellers MicroStrategy, abgeholt, wie er das Vermögen der Tesla-Aktionäre mehren könne, wenn er die Tesla-Bilanz von US-Dollar in Bitcoin konvertieren würde, wie die Tagesschau und das Handelsblatt jeweils am 21.12.2020 berichteten. Man darf getrost bezweifeln, dass die US Securities and Exchange Commission (SEC) so etwas zulassen würde, schließlich wurde die Tesla-Aktie am 21.12.2020 in den Standard&Poor’s 500 (S&P500)-Index aufgenommen und mit Aktionärsvermögen spielt man nicht. Aber was kümmert es schon Elon Musk, wenn ein paar Kleinaktionäre Omas Häuschen verspielen, weil ein verantwortungsloser Milliardär mit libertären Ansichten, dessen Einkommen hauptsächlich vom Börsenwert seines Unternehmens abhängt, eine Blase mit einer anderen kombinieren will?

Warum kommentiere ich diese Vorgänge so kritisch und warum thematisiere ich die Frage, wie sich die Kurse und die Marktkapitalisierungen des Bitcoin und der Tesla-Aktie in 2020 entwickelt haben überhaupt?

Nun, ich habe fast 25 Jahre für große, internationale Konzerne gearbeitet und war dort unter anderem zweimal vier Jahre Leiter des Corporate IT-Audit eines DAX30-Konzerns. Laut Aktiengesetz sind Kapitalgesellschaften in Deutschland verpflichtet, ein effektives Internes Kontrollsystem (IKS) sowie ein Risikomanagementsystem (RMS) einzurichten bzw. vorzuhalten, um „bestandsgefährdende Vermögensschäden“ von ihrem Unternehmen fernzuhalten. Das Corporate Audit trägt durch systematische, risikoorientierte Prüfung der Unternehmenseinheiten und ihres IKS und RMS dazu bei, den Unternehmenserfolg zu steigern und zu sichern, das Unternehmensvermögen zu schützen und Entwicklungen bzw. Ereignisse rechtzeitig aufzudecken bzw. zu vermeiden, die diese Ziele gefährden könnten.

Als Reaktion auf Bilanzskandale von Unternehmen wie Worldcom oder Enron in 2001/02 wurde im Jahr 2002 in den USA der Sarbanes-Oxley-Act (SOX, SOA, SarBox) erlassen, welcher die Verlässlichkeit der Finanzberichterstattung von Unternehmen verbessern sollte, die den öffentlichen Kapitalmarkt der USA in Anspruch nehmen. Aufgrund der globalen Bedeutung des US-Kapitalmarktes wurden die anhängigen Vorschriften von anderen Rechtsräumen (EU, Japan, Schweiz) adaptiert und fanden auch in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (International Financial Reporting Standards, IFRS) des International Accounting Standards Board ihren Niederschlag.

Im Zuge dessen wurden auch die Anforderungen an IKS und RMS deutlich verschärft und Regeln definiert, wie mit Ereignissen und Entwicklungen umzugehen ist, die den Aktienkurs und Börsenwert eines Unternehmens beeinflussen können. In Deutschland mussten CEOs von Kapitalgesellschaften zurücktreten, nachdem sie mehrfach ihre Gewinn- und Umsatzprognosen verfehlt hatten. Bei Elon Musk werden solche Fehler mit Auswirkungen auf den Aktienkurs und Börsenwert von Tesla von der Öffentlichkeit als Petitesse angesehen. Das gilt auch für die zweifellos unterhaltsamen öffentlichen Spekulationen, Ankündigungen und Verheißungen von Musk auf Twitter, die sich auf den Aktienkurs und Börsenwert von Twitter auswirken. Leider verschieben sich dadurch die Maßstäbe in eine völlig falsche Richtung und das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit der Kapitalmärkte wird durch billige Taschenspielertricks und Effekthascherei unterwandert.

Ab 2007/08 wurde die Weltwirtschaft durch die globale Finanzkrise erschüttert, die sich aus der US-Subprime-Krise mit Lehman Brothers im Zentrum zu einer veritablen Banken-, Staatsschulden und Eurokrise entwickelte. Auch in diesem Fall führten Gier und die Bereitschaft zu vorsätzlichem Betrug in Kombination mit Maß- und Rücksichtslosigkeit zu risikoreichen Spekulationen, die viele Menschen um ihre Ersparnisse, ihre Eigenheime und ihre Jobs brachten. Nachvollziehen können Sie die damaligen Ereignisse mit Hilfe von zwei überaus lesenswerten Rolling Stone-Artikeln von Matt Taibbi unter den Titeln „Secrets and Lies of the Bailout“ vom 04.01.2013 und  „The Great American Bubble Machine“ vom 05.04.2010. Der Süden der Europäischen Union und das Bankensystem der Europäischen Union haben sich bis heute – fast 15 Jahre nach dem Ausbruch – nicht von den Auswirkungen der globalen Finanzkrise erholt. Die Regulierungsbehörden (BIZ, Fed, EZB) sahen sich durch dieses Ereignis veranlasst, unter anderem die Regeln zur Eigenkapitalausstattung von Banken Rechnung (Basel III und IV) zu verschärfen.

Elon Musk hat in seiner Karriere mehrfach gezeigt, dass ihm die Einhaltung von Recht und Gesetz egal ist, wenn sie seinen unternehmerischen oder persönlichen Zielen im Wege stehen. Niemand kann etwas für eine schwere Kindheit mit einen gewalttätigen Psychopathen als Vater. Aber wenn man eine solche Kindheit erleben musste, sollte man sich bewusst sein, dass die dort erlittenen frühkindlichen Prägungen Folgen haben, die sich auf das gesamte Leben der betroffenen Person auswirken. Bei Elon Musk zeigt sich dies unter anderem in seinem libertären, staatskritischen (wenn nicht gar staatsfeindlichen) Weltbild, welches er mit Peter Thiel teilt. Aggressives und überhebliches Verhalten gegenüber staatlichen Organen und die Missachtung von Regeln des Kapitalmarktes sind zwei deutliche Indikatoren für dieses libertäre Weltbild.

Elon Musk hat den Grundstock seines Vermögens gelegt, indem er 1999 auf den einen Zug aufgesprungen ist, der von Peter Thiel, Max Levchin und Luke Nosek mit der Entwicklung der PayPal-Technologie gelegt wurde. Mit dem Geld aus dem Verkauf von PayPal stieg Musk im Jahr 2004 als Investor bei Tesla ein, welches im Jahr 2003 durch Martin Eberhard und Marc Tarpenning gegründet worden war. In 2007/08 drängte Musk die beiden Gründer rücksichtslos aus ihrem Unternehmen und erweckte fortan den Eindruck, er – Musk – sei der eigentliche Gründer von Tesla.

Unternehmensgründer aus ihrem eigenen Unternehmen zu mobben, steht für mich unter moralischen Gesichtspunkten auf der gleichen Stufe, wie seine Frau oder seine Kinder zu schlagen. So etwas tut man einfach nicht. Die Tatsache, dass Elon Musk die Rücksichtslosigkeit und Chuzpe besessen hat, einen solchen Schritt zu gehen, ist aus meiner Sicht ein Alarmsignal. Bei aller gebotenen Anerkennung und Würdigung seiner visionären und unternehmerischen Fähigkeiten und seines Engagements unter Inkaufnahme persönlicher Risiken, halte ich es für fahrlässig, das Wohl und Wehe eines Unternehmens wie Tesla in den Augen der Öffentlichkeit von einer einzigen Person abhängig zu machen. Ein solches Abhängigkeitsverhältnis verbietet sich vor allem dann, wenn diese Person mit all ihren offensichtlichen charakterlichen Fragezeichen und ihrer psychischen Instabilität nicht vor publikumswirksamen Tricksereien und Showeffekten zurückschreckt, um den Börsenwert zum eigenen Nutzen zu pushen und dabei die Regeln der Kapitalmärkte zum Schutz der Aktionäre verhöhnt und mit Füßen tritt.

Soziale Ungleichheit ist ein großes Problem, nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern auch in Industriestaaten – siehe „Ungleichland und seine Folgen“ vom 08.05.2018. Soziale Ungleichheit kann Gesellschaften spalten und Demokratien destabilisieren, wie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten in 2016 sowie der Ausgang des Brexit-Referendums im Juni 2016 gezeigt haben. Wer mit Geld spielen will, kann das gerne mit seinen eigenen Kapital im Spielcasino tun, aber nicht mit dem Kapital von Aktionären in Kapitalgesellschaften. Jeder Skandal à la Worldcom, Enron oder Wirecard und jede globale Finanzkrise hervorgerufen durch rücksichtsloses Spekulantentum auf Kosten der Gesellschaft beschädigen das Vertrauen der Bürger in die Funktionsfähigkeit der Demokratie.

Abschließender Gedanke: Was ist der rote Faden in sämtlichen unternehmerischen Aktivitäten von Elon Musk – neben der Steigerung seines eigenen Reichtums natürlich? Aus meiner Sicht ist es die Erlangung und Ausübung von Kontrolle über andere Menschen. Bei PayPal war es die Kontrolle von Finanztransaktionen, bei Tesla ist es die Kontrolle der Mobilität mit Hilfe von vernetzten, selbstfahrenden Autos sowie der dazu benötigten elektrischen Energie. Vernetzte, autonom fahrende Autos sind rollende Überwachungsmaschinen, die nicht nur ihre Fahrzeuginsassen, sondern auch die gesamte Fahrzeugumgebung mit ihren Kameras und Sensoren überwachen. SpaceX bzw. Starlink sind in diesem Kontext nur Mittel zum Zweck, um durch ein Netz erdnaher Satelliten die Kommunikation zwischen Menschen, Fahrzeugen und „Things“ im Internet of Things zu kontrollieren. Bei Neuralink geht es um die Kontrolle und Manipulation menschlicher Gehirnströme und bei OpenAI um die Erforschung Künstlicher Intelligenz – natürlich „zum Wohle der Menschheit“ (was sonst?). Lediglich The Boring Company und das Hyperloop-Konzept passen nicht in den roten Faden der Kontrolle über andere Menschen, könnten allerdings, ähnlich wie SpaceX bzw. Starlink, dazu dienen, unterstützende Technologien zu entwickeln bzw. zu erproben. Den eigentlichen „Purpose“ der Kontrolle über andere Menschen kaschiert Elon Musk sehr geschickt mit hehren Zielen wie „Klimaschutz“ oder „Kolonisierung des Mars“ – ähnlich wie sein Freund Peter Thiel seine Investitionen in Datenkraken wie Palantir Technologie mit dem großen Nutzen von Big Data-Analytics für die Menschheit begründet – mit tatkräftiger Unterstützung durch CIA und FBI. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

So, nun ist dieser Blog deutlich länger geworden, als ich es ursprünglich geplant hatte, aber ich halte es für wichtig, Ihnen diese Überlegungen und Zusammenhänge einmal transparent und geschlossen zu erläutern.

P.S.: Als Bubble Economy werden übrigens Volkswirtschaften bezeichnet, die auf der Basis von Börsen- und Aktienspekulationen enorm schnell wachsen. Meist folgt auf diese unverhältnismäßig wachsende Wirtschaft ein risikobehafteter Finanzcrash. Wirecard lässt an dieser Stelle freundlich grüßen.

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