Der WhatApp-Messenger war aus Datenschutz-Gesichtspunkten schon immer ein problematischer Service, unter anderem, weil die Daten der Kontakte aus dem Adressbuch eines neuen Nutzers nach der Registrierung auf einen Server in den USA übertragen wurden. Mit der Registrierung bei WhatApp hat man also nicht nur seine eigene Privatsphäre torpediert, sondern die seiner Kontakte gleich mit.

Am 19.02.2014 gab Facebook bekannt, WhatsApp für beachtliche 16,8 Milliarden Euro (damals 19 Milliarden US-Dollar) gekauft zu haben. WhatsApp gehört also seit 2014 zum Facebook-Konzern und hat mittlerweile mehr als eine Milliarde Nutzer. Da Facebook durch Monetarisierung der Nutzerdaten seiner Dienste (u. a. Facebook, Instagram, Messenger und WhatsApp) noch mehr Profit erzielen will, hat WhatsApp seine Nutzungsbedingungen geändert und verlangt von den Nutzern seit 07.01.2021 die Zustimmung zu folgender Klausel: „Meine WhatsApp-Account-Informationen mit Facebook teilen, um meine Erlebnisse mit Werbung und Produkten auf Facebook zu verbessern.“

Zwar hat WhatsApp Berichte dementiert, nach denen WhatsApp-Nutzerdaten ab Februar an Facebook weitergeleitet werden sollen – zumindest für europäische Nutzer soll hier eine Ausnahme gelten. Dennoch müssen auch EU-Nutzer bis zum 08.02.2021 den geänderten AGB und Datenschutzrichtlinien zustimmen. Wer das nicht tut, kann die WhatsApp-App ab dem Stichtag nicht mehr nutzen. 😳

In der Klausel, der man in der App zustimmen muss, wenn man WhatsApp weiter nutzen will, erklärt WhatsApp: „Unabhängig von dieser Einstellung werden Ihre Chats und Ihre Telefonnummer nicht auf Facebook geteilt“. Die Einhaltung dieser Zusage kann man zumindest perspektivisch getrost bezweifeln, denn auch Facebook-Konkurrent Google screent und nutzt ja den Inhalt von E-Mails, die Nutzer über seinen GMail-Service senden oder empfangen systematisch, um die Nutzer mit Werbung vollzumüllen. Warum sollte sich Facebook diese zusätzliche lukrative Einnahmequelle dauerhaft entgehen lassen?

Die Vorgehensweise von Facebook/WhatApp zeigt, wie sehr Nutzer von Cloud Services ihrem Service Provider ausgeliefert sind. Bei kleineren Anbietern von Cloud Services besteht ein nicht unbeträchtliches Risiko, dass der Service irgendwann eingestellt wird und bei größeren Anbietern gilt das Prinzip „Friss oder stirb“ – entweder Du akzeptierst meine Nutzungsbedingungen oder Du musst den Service verlassen.

Ich würde Ihnen empfehlen, den neuen WhatsApp-Nutzungsbedingungen nicht zuzustimmen, sondern auf einen anderen Messenger umzusteigen, z. B. Threema oder Signal. Details und Hintergrundinformationen zur Änderung der WhatsApp-Nutzungsbedingungen finden Sie in einem T-Online-Artikel vom 08.01.2021 unter der Überschrift „Neue WhatsApp-AGB: Signal-Messenger freut sich über Nutzeransturm„.

Wesentliche Aspekte zusammengefasst (Zitat aus folgender Quelle):

  1. WhatsApp ändert seine AGB: Wer nicht zustimmt, wird ab 15.05.2021 faktisch ausgesperrt.
  2. Durch die neuen AGB ändert sich erst mal nichts: Facebook sammelt über WhatsApp (und Instagram) schon seit 2016 Daten über seine Nutzer. Datenschützer raten schon längst dazu, die App zu verlassen.
  3. Facebook geht nicht angemessen mit den Daten seine Nutzer um: Das Netzwerk ist nicht der einzige Anbieter, der Daten sammelt, Google, Amazon, Apple, Microsoft & Co. tun das auch. Doch nur Facebook hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Datenlecks, über die sehr private Daten publik wurden.
  4. WhatsApp weiß verdammt viel über seine Nutzer und deren Kontakte: Die App plündert nicht nur das Adressbuch, sie zeichnet auch auf, wo der Nutzer ist. So weiß die App, wo Sie einkaufen, wen Sie treffen, wo Sie sich aufhalten. Dazu kommt über das Facebook-Werbe-Netzwerk eine tiefe Analyse Ihres Surfverhaltens, also von Vorlieben und Abneigungen.
  5. Es gibt Alternativen: Apps wie Signal und Threema machen das Gleiche wie WhatsApp. Sie sammeln dabei aber keine Daten und geben unabhängigen Experten auch die Möglichkeit, diese Sicherheit zu überprüfen. Wichtig: Telegram ist keine sichere Alternative.
  6. Bei den anderen Apps sind meine Freunde nicht: Alle Alternativen haben viel weniger Nutzer. Doch Apps wie Threema und Signal wachsen. Und vor ein paar Jahren gab es auch eine Menge Menschen, die noch nicht bei WhatsApp waren.
  7. WhatsApp wird schlimmer werden: Facebook will mit WhatsApp Geld verdienen. Bislang nur mit dem Sammeln von Daten, mittelfristig aber wohl auch mit der Einblendung von Werbung. Die guten Alternativen haben dieses Problem nicht. Die Nutzung von Threema kostet Geld, Signal wird von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben.
  8. Veränderung dauert: Mein Tipp: Installieren Sie sich das kostenlose Signal oder das kostenpflichtige Threema (3,99 Euro für die App) und versuchen Sie, Freunde auch dorthin zu bringen. Kaum jemand wird von heute auf morgen auf WhatsApp verzichten können. Doch mittelfristig können Sie WhatsApp (und damit auch der Datenkrake Facebook) die Macht über Ihr Leben entreißen.
  9. Muss ich WhatsApp jetzt verlassen? Mittelfristig sollten Sie WhatsApp verlassen! Und die Änderungen der AGB sind ein guter Anlass für diesen ohnehin längst überfälligen Schritt. Signal und Threema sind gute Alternativen, die die Privatsphäre ihrer Nutzer deutlich stärker respektieren und schützen!

Ergänzende Informationen finden Sie in meinen folgenden Blogs:

▶︎ „Zwölf Technologie-Trends für 2021“ vom 07.01.2021: https://kubraconsult.blog/2021/01/07/zwolf-technologie-trends-fur-2021/

▶︎ „Ihr digitaler Fußabdruck und Ihre Sicherheit im Internet“ vom 06.01.2021: https://kubraconsult.blog/2021/01/06/ihr-digitaler-fusabdruck-und-ihre-sicherheit-im-internet/

▶︎ „Warum uns Werbung und soziale Medien unglücklich machen“ vom 06.01.2021: https://kubraconsult.blog/2021/01/06/warum-uns-werbung-und-soziale-medien-ungluecklich-machen/

▶︎ „Warum Tesla nicht „exponentiell“ wächst“ vom 04.01.2021: https://kubraconsult.blog/2021/01/04/warum-tesla-nicht-exponentiell-wachst/

▶︎ „Mobilitätstipp für echte Profis“ vom 03.01.2021: https://kubraconsult.blog/2021/01/03/mobilitaetstipp-fuer-echte-profis/

▶︎ „Bitcoin, Tesla und die Bubble Economy“ vom 02.01.2021: https://kubraconsult.blog/2021/01/02/bitcoin-tesla-und-die-bubble-economy/

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