Als im November 2008 das Weltfinanzsystem kurz vor dem Kollaps stand veröffentlichte ein anonymer Entwickler unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ in der Mailing-List der Cypherpunks ein Whitepaper unter dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System„, in dem er ein neuartiges digitales Zahlungssystem auf Basis einer Technologie namens „Blockchain“ vorstellte.

In dem neunseitigen Whitepaper (inklusive 1 Seite mit References) beschreibt Satoshi Nakamoto ein Austauschsystem, welches auf Kryptographie basiert samt digitalem Kassenbuch und dezentraler Buchführung. Er erklärt, wie Finanztransaktionen durch Bits und Bytes realisiert, in digitalen Datenblöcken erfasst, ver- und entschlüsselt und auf vernetzte Rechner gebracht werden können. Um die Inflation zu umgehen, begrenzte er die Zahl möglicher Bitcoins auf 21 Millionen. Heute gilt das Whitepaper von Satoshi Nakamoto aus dem November 2008 als Gründungsurkunde des Bitcoin.

Wenige Wochen später folgten dem Thesenpapier Taten. Eine Internetseite wurde aufgesetzt, Rechner verkoppelt, der erste Transaktionsblock kam im Januar 2009 ins Netz. Im Laufe des Jahres 2010 arbeitete Satoshi Nakamoto mit anderen Entwicklern zusammen, um das Bitcoin-Protokoll zu modifizieren und zu verfeinern. Er erläuterte in der Mailing-Liste der Cypherpunks, was er da tat, und erklärte den Nutzern im Internetforum der P2P Foundation seine Arbeit, war in die Bitcoin-Community eingebunden und korrespondierte häufig mit ihnen. Dann übergab er die Schlüssel und Codes an Gavin Andresen und übertrug Domains an Mitglieder der Gemeinschaft. Seit seiner letzten E-Mail am 23.04.2011 an Mike Hearn ist von Satoshi Nakamoto kein weiteres Lebenszeichen mehr aufgetaucht. Dort verabschiedet er sich mit den Worten: „Ich bin nun mit anderen Dingen beschäftigt.“

Anhand von frühen Datenprotokollen stellte der Kryptologe Sergio Lerner fest, dass in den ersten 12 Monaten nach der Veröffentlichung des ersten Transaktionsblocks im Januar 2009 vom immer gleichen Computer 1,8 Millionen Bitcoins kreiert wurden, von denen nur ein Drittel in Umlauf gebracht wurde. Der Rest, ca. 1,1 Millionen Bitcoins, ist immer noch unberührt in der Blockchain und hat nach dem jüngsten Anstieg des Bitcoin-Kurses auf über 41.000 US-Dollar (Stand: 09.01.2021; 15:00 Uhr) einen aktuellen Gegenwert von über 45 Milliarden US-Dollar. Satoshi Nakamoto, falls er noch lebt, wäre damit einer der reichsten Menschen der Welt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat am 09.01.2021 einen interessanten Artikel unter der Überschrift „Der geheimnisvolle Bitcoin-Erfinder“ veröffentlicht. Der Kryptologe Hal Finney hatte mit Nakamoto den Quellcode von Bitcoin entwickelt, verstarb aber 2014 und gab nie preis, wen er hinter dem Namen vermutete. Laut einer Theorie, die ich selbst für die plausibel halte (im Gegensatz zu vielen anderen Theorien), war „Satoshi Nakamoto“ das Pseudonym von Hal Finney.

Falls Sie sich für die Grundlagen der Blockchain-Technologie und von Kryptowährungen bzw. Kryptoassets interessieren, möchte ich Ihnen meine folgenden Blogs ans Herz legen:

▶︎ „Die wichtigsten Fakten und Meilensteine zu Bitcoin und Blockchains“ vom 27.08.2017 (englische Fassung: „The most important facts and milestones on Bitcoin and Blockchains„)

▶︎ „Krypto Assets – die wichtigsten Fragen und Antworten“ vom 13.01.2018 (englische Fassung: „Crypto Assets – the most important Q&A„)

▶︎ „Ein Brief an Jamie Dimon – und an alle anderen, die noch immer mit dem Verständnis von Kryptowährungen zu kämpfen haben“ vom 27.11.2017 (englische Fassung: „A Letter to Jamie Dimon – and anyone else still struggling to understand cryptocurrencies„)

▶︎ „Warum Bitcoin & Co. bei Weitem nicht das größte Problem in unserem globalen Finanzsystem sind“ vom 28.11.2017 (englische Fassung: „Why Bitcoin&Co. are by far not the biggest issue in our global financial system„)

▶︎ „Derivatives as systemic risk for the global economy?“ vom 05.04.2020 (bislang nur in englischer Sprache verfügbar)

▶︎ „Warum die globale Finanzindustrie reguliert und an die Kette gelegt werden muss“ vom 10.02.2018 (englische Fassung: „Why the global financial industry needs to be regulated and chained„)

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