Der Bitcoin ist eine digitale bzw. virtuelle Währung (auch „Kryptowährung“ oder „Cyberwährung“) basierend auf einer Technologie namens „Blockchain“, die von seinem Entwickler als quelloffener („Open Source“) Code zur Verfügung gestellt wurde.Folgende Kurzbeschreibung basierend auf einer Formulierung aus dem Bitcoin-Forum von Reddit.com bringt es auf den Punkt: „Bitcoin ist die Währung des Internets: verteiltes, dezentralisiertes digitales Geld mit hoher Sicherheit und weltweiter Gültigkeit. Anders als traditionelle Währungen, wie US-Dollar oder Euro, werden Bitcoins nicht durch eine zentrale Instanz herausgegeben bzw. gemanagt, sondern durch die Blockchain. D. h. es gibt keine Regierung bzw. Zentralbank, kein Unternehmen und auch keine Bank, die für Bitcoin verantwortlich ist. Aus diesem Grund ist Bitcoin resistenter gegen Manipulation durch korrupte Instanzen, die an Geldtransfers verdienen wollen.“

Die Bezeichnung „Blockchain“, also „Kette von Blöcken“, illustriert bereits recht gut, wie eine Blockchain aufgebaut ist: Blöcke sind vereinfacht gesagt Datenstrukturen mit definierten Inhalten (z. B. Blockheader, Transaktionszähler) und einer einheitlicher Größe (im Fall von Bitcoin z. B. ein Megabyte), die logisch miteinander verkettet sind. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass die Blockchain nicht auf einem zentralen Server gespeichert ist, sondern verteilt in einem Netz von dezentralen Rechnern, so dass sie nicht von einer einzelnen Person/Instanz kontrolliert oder manipuliert werden kann. Die Anonymität, Authentizität und Integrität der Daten in der Blockchain wird durch kryptographische Methoden und Verfahren (z. B. digitale Signaturen, Hash-Algorithmen, Proof-of-Work und Verschlüsselungen) gewährleistet.

Wie der Transfer von Bitcoins über die Blockchain funktioniert, wird durch die folgende Grafik veranschaulicht:

Money Transfer via Blockchain

Die Ursprünge des Bitcoins liegen in der so genannten „Cypherpunks“-Bewegung (siehe: https://www.wired.com/1993/02/crypto-rebels/), einer Gruppe von technisch versierten Aktivisten, die sich seit Anfang der 1990er-Jahre besonders für die Wahrung von Privatsphäre und Anonymität im Cyberspace einsetzten (siehe: „A Cypherpunk’s Manifesto“ von Eric Hughes vom 09.03.1993: https://www.activism.net/cypherpunk/manifesto.html). Zu den Cypherpunks gehörten Aktivisten, wie Hal Finney, Nick Szabo, David Chaum, Wei Dai, Phil Zimmermann, Julian Assange und der spätere Erfinder des Bitcoin, Satoshi Nakamoto.

Seit seiner Einführung im Januar 2009 (einige Wochen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers auf dem Höhepunkt der letzten globalen Finanzkrise) hat der Bitcoin eine Vielzahl von Höhen und Tiefen durchlaufen. Skandale, wie die Schließung und Beschlagnahmung des virtuellen Marktplatzes „Silk Road“ im Oktober 2013 (Silk Road 1.0) bzw. November 2014 (Silk Road 2.0), auf dem im Schutz des TOR-Netzwerkes (http://www.security-insider.de/was-ist-das-tor-netzwerk-a-586465/) Waffen und Drogen anonym gehandelt und mit Bitcoins bezahlt wurden, der Zusammenbruch der Bitcoin-Wechselbörse „Mt. Gox“ im Februar 2014 oder die Verhaftung des BitInstant-Gründers und CEOs Charlie Shrem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche konnten nicht verhindern, dass sich das Geschäft mit der Kryptowährung rasant rund um den Globus verbreitet und der Wert eines Bitcoins immer weiter steigt.

Ich möchte gleich zu Beginn dieses Artikels auf einen sehr wichtigen Punkt hinweisen, den ich am Ende des Artikels nochmals aufgreifen werde: Der Bitcoin wurde von einem bis heute Unbekannten unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ entwickelt, um die Macht der Wall Street und der Zentralbanken zu brechen. Als Alternative zu konventionellen Währungen sollte der Bitcoin es ermöglichen, weltweite Zahlungen kostenlos, effizient und fair durchzuführen – und zwar ausdrücklich ohne staatliche Kontrolle und Regulierung und ohne die Einbeziehung von Banken, Kreditkartenunternehmen oder anderen Geldvermittlern, wie PayPal oder Western Union. Von Erik Voorhees, dem heutigen CEO des Startups „ShapeShift.io“ stammt der bemerkenswerte Satz „Bitcoin ist die Schlacht der Ideen, die zwangsläufig die Frage aufbringt, ob Menschen in ihrem Umgang mit Geld genauso frei sein sollen bzw. dürfen, wie in ihrem Umgang mit Meinungsäußerung, Religionsausübung oder persönlichen Beziehungen“.

Nachfolgend finden Sie eine Liste der Länder mit Kapitalverkehrskontrollen in der Reihenfolge der Bevölkerungszahl, basierend auf Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Vereinten Nationen. Sie zeigt, dass im Oktober 2016 rund 5,1 Milliarden Menschen in 96 Ländern – fast 70% der Weltbevölkerung – nur sehr eingeschränkt Zugang zu Geld/Kapital hatten, was oft auf ausbeuterische politische Systeme zurückzuführen ist (viele haben nicht einmal die Möglichkeit, ein Bankkonto zu bekommen). Selbst in Ländern ohne größere Kapitalverkehrskontrollen, wie z. B. in den USA, Deutschland, Japan usw., gibt es Einschränkungen für die Bürger. Insbesondere Barzahlungen werden durch Schwellenwerte zur Begrenzung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung stark eingeschränkt und mit hohen Gebühren bestraft. Während die Verwendung von Bargeld für solche ruchlosen Zwecke nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Wirtschaft ausmacht, wirken sich diese Art von Beschränkungen unfairerweise auch auf normale ehrliche Bürger aus.

 

Kryptowährungen bedrohen diese oft ausbeuterischen Kontrollmechanismen, weil sie es Einzelpersonen ermöglichen, anonyme und sichere Geldtransfers rund um den Globus ohne Banken oder staatlich kontrollierte Papiergeldzahlungen durchzuführen. Darüber hinaus würden Kryptowährungen dem Geldschöpfungsprivileg der Banken ein Ende bereiten und sie würden auch einen Großteil der Transaktionen der Banken automatisieren und Banken unter Umständen weitgehend überflüssig machen. Die Zerstörung des klassischen Einzelhandels durch Amazon ist verglichen damit nur ein kleiner Strukturwandel.

Dies ist der Hauptgrund, warum führende Vertreter der Finanzindustrie, Präsidenten von Zentralbanken und Regulierungsbehörden oder „Bankster Pets“ wie Joseph Stiglitz oder Kenneth („Ich-schaffe-das-Bargeld-ab“) Rogoff versuchen, Kryptowährungen zu diskreditieren und zu denunzieren. Sie stellen zunehmend fest, dass sie ihr exorbitantes Privileg der Kontrolle und Macht durch Kryptowährungen bedroht wird und versuchen, sich dagegen zu wehren.

Es ist ferner wichtig zu verstehen, dass in der Bitcoin-Community anfangs (2008/2009) durchaus umstritten war, ob man die Möglichkeit eröffnen sollte, Bitcoin außerhalb der Blockchain über so genannte „Exchanges“ (heute: CoinDesk, Bitfinex, Kraken, …) zu handeln. Die initiale Diskussion ist auf Bitcointalk.org unter https://bitcointalk.org/index.php?topic=20.0 dokumentiert.

Auf HistoryofBitcoin.org (http://historyofbitcoin.org) kann man nachvollziehen, dass der erste Bitcoin-Wechselkurs zum US-Dollar erst 9 Monate nach Einführung des Bitcoin am 05.10.2009 auf Basis der Stromkosten, die zur Erzeugung eines Bitcoin anfielen, auf 1 USD = 1,309.09 BTC festgelegt wurde. Mit „Bitcoin Market“ wurde die erste Exchange erst mehr als ein Jahr nach Einführung des Bitcoin am 06.02.2010 eröffnet (einen Schnappschuss der Webseite in einem frühen Stadium vom 10.09.2011 kann man sich hier anschauen: https://web.archive.org/web/20110910173612/https://www.bitcoinmarket.com/). Erst mit der Einführung von Bitcoin-Exchanges, wurde breiteren Anwenderkreisen die Möglichkeit eröffnet, Bitcoins mit konventionellen Währungen zu kaufen bzw. Bitcoins zu handeln – was wiederum den heute zu besichtigenden Spekulationen Tür und Tor öffnete. Diese Entwicklung wäre in einem geschlossenen System ohne Exchanges nicht möglich gewesen.

Die Frage ist, ob diese Entwicklung „gottgegeben ist“ bzw. anders gefragt: Welche Möglichkeiten gibt es aus Sicht von Kapitalmarktfachleuten, um Spekulationen mit Assets, wie z. B. Kryptowährungen, normale Währungen, Rohstoffe etc. pp. zu unterbinden? Oder müssen wir es einfach hinnehmen, dass jeder, der Wetten auf irgendeinen Basiswert platzieren will (notfalls zu Lasten der Gesellschaft), dies auch tun kann?

Bei aller Euphorie über die vielschichtigen Möglichkeiten einer neuen Technologie sowie über den exorbitanten Kursanstieg vieler Kryptowährungen im Verlauf des Jahres 2017 darf man jedoch nicht verkennen, dass es durchaus eine Reihe gravierender Einschränkungen und Probleme gibt, die die Erfolgsaussichten des Bitcoin trüben (z. B. Governance, Einfluss der Miner, Skalierbarkeit, Bitcoin-Guthaben von Satoshi Nakamoto, Nachhaltigkeit), und die Brian D. Colwell am 04.11.2017 unter der Überschrift „5 reasons why Bitcoin is NOT the best cryptocurrency investment“ so ausführlich beschrieben hat, dass ich an diese Stelle nur auf seine Ausführungen verweise: https://briandcolwell.com/2017/11/5-reasons-why-bitcoin-is-not-the-best-cryptocurrency-investment/.html.

Die folgende Grafik der Everest Group bietet einen kurzen Überblick über die Geschichte von Bitcoin und Blockchains:

Simon Johnson, Professor am MIT Sloan, beschreibt die signifikanten Effekte von Kryptowährungen, wie dem Bitcoin, auf Entwicklungsländer auf aufstrebende Volkswirtschaften wie folgt: „Schwellenländer und Länder der dritten Welt sind generell geprägt durch Probleme mit der Regierung, Korruption, Landbesitz und beweglichen Besitztümern. Die wesentliche Idee ist, dass man die Blockchain-Technologie dazu verwenden könnte, um zu verfolgen, wem was gehört und dadurch das Verleihen von Besitztümern zu vereinfachen. Oder den Verkauf zu vereinfachen … Die Bitcoin bzw. Blockchain Idee ist sicher gleichermaßen ein liberaler Traum, weil es darin keine Regierung gibt, und ein linker Traum weil es keine mächtigen Oligarchen oder Banken oder ähnliche Kräfte gibt, die Bürger in der dritten Welt davon abhalten am Bankensystem bzw. am Wirtschaftskreislauf teilzunehmen. Die meisten Bürger in der dritten Welt sind vom Bankensystem ausgeschlossen, weil Banken sie nicht als Kunden haben wollen, z. B. weil sie zu wenig Geld haben. Und die Banken glauben, dass (diese Kunden) zu teuer sind und erheben deshalb Gebühren in einer abschreckenden Höhe. In einem rein dezentralen system, sollte es wirklich einfach sein, Bürger einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit von digitalen Zahlungen zu geben (see: http://mitsloan.mit.edu/newsroom/articles/blockchain-next-steps/).

Der rund 90-minütige Film „Banking on Bitcoin“ aus dem Jahr 2016 vermittelt einen wirklich hervorragenden Überblick über die Hintergründe, die zur Einführung des Bitcoins auf Basis der Blockchain-Technologie geführt haben, und erzählt die wechselvolle Geschichte der Kryptowährung in den letzten 8 Jahren auf sehr spannende Art und Weise (siehe: http://www.moviepilot.de/movies/banking-on-bitcoin).

Was sind die wichtigsten Meilensteine im Zusammenhang mit der Kryptowährung Bitcoin? Die folgenden 8 Punkte sind ein Auszug aus einem Überblick, der am 21.08.2017 von der Schweizer „Handelszeitung“ veröffentlicht wurde (siehe: http://www.handelszeitung.ch/invest/biga-die-wichtigsten-fakten-zum-bitcoin-1466292) mit einigen kleineren Ergänzungen meinerseits:

  1. Der Bitcoin ist die Mutter aller Kryptowährungen, aber nicht die einzige. Die Website coinmarketcap.com listet aktuell (Stand: 21.08.2017) insgesamt 855 Kryptowährungen auf (siehe: https://coinmarketcap.com/currencies/views/all/), wobei Bitcoin mit einer Marktkapitalisierung von 67,1 Milliarden USD mit Abstand die Wichtigste ist, gefolgt von Ethereum mit 31,2 Milliarden USD, Bitcoin Cash mit 10,4 Milliarden USD und Ripple mit 6,0 Milliarden USD. Die Marktkapitalisierung der folgenden 851 Kryptowährungen liegt zwischen 0,002937 USD (True Investment Coin auf Platz 855) und 2,51 Milliarden USD (IOTA auf Platz 5). Hinweis: Die Angaben zur Marktkapitalisierung der Kryptowährungen muss man natürlich in Relation zum Gesamtwert der konventionellen Geldmenge („Broad Money“) sehen, der in 2015 einschließlich Münzen, Banknoten, Guthaben auf Girokonten sowie langfristiger Geldanlagen auf Spar- oder Festgeldkonten bei ca. 80,9 Billionen USD lag (siehe: https://kubraconsult.blog/2017/07/03/wieviel-geld-es-auf-der-welt-gibt/). Neben den 855 Kryptowährungen gibt es ferner ca. 160 konventionelle Währungen „zum Anfassen“, wie US-Dollar, Euro, etc. (siehe: http://www.laenderdaten.de/wirtschaft/waehrungen.aspx).
  2. 2008 tauchte erstmals das Dokument auf, dass das Bitcoin-System beschrieb (siehe: https://www.bitcoin.com/wp-content/uploads/2017/01/bitcoin.pdf). Es war mit Satoshi Nakamoto gezeichnet. In der Szene hielt sich lange die Vermutung, dass es sich dabei um ein Pseudonym handeln könnte. Im Mai 2016 schien sich das zu bestätigen. Damals gab der Australier Craig Steven Wright preis, Erfinder der Kryptowährung zu sein. An seiner Darstellung bestehen jedoch erhebliche Zweifel und sie konnte mit letzter Gewissheit nie bestätigt werden. Einer anderen Theorie zufolge soll sich hinter Satoshi Nakamoto der im August 2014 verstorbene Cypherpunk Hal Finney verbergen (siehe: https://bitcointalk.org/index.php?topic=155054.msg1643833#msg1643833). Als Kryptoexperte und ehemaliger Softwareentwickler der PGP („Pretty Good Privacy“) Corporation hat Hal Finney nachweislich wesentliche Beiträge zur Entwicklung der Bitcoin-Blockchain geleistet. Die ALS-Erkrankung von Hal Finney verschärfte sich just zu dem Zeitpunkt drastisch, als sich „Satoshi Nakamoto“ aus der Öffentlichkeit zurückzog.
  3. Der 03.01.2009 gilt als die Geburtsstunde des Bitcoins. An diesem Tag fiel der Startschuss der Kryptowährung, mit der Generierung der ersten 50 Bitcoin. Hinweis: Dies passierte nicht zufällig einige Wochen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers (am 15.09.2008), in einer Phase, in der die Schwächen des globalen Finanzsystems für jedermann sichtbar wurden.
  4. Die Bezahlung, also die Übertragung von Bitcoins gilt als sehr sicher. Der Bitcoin selbst kann aufgrund seiner dezentralen Sicherheitsarchitektur nicht gehackt werden, allerdings wurden Bitcoin-Handelsplätze, wie Mt. Gox, bereits mehrfach geknackt. Ausserdem handelt es sich bei Bitcoin um eine Risikoanlage, sagen viele Experten. Wertsicherheit kann die Cyberwährung nicht bieten. Hinweis: Welche Währung kann schon „Wertsicherung“ garantieren? Die Kaufkraft des US-Dollar ist innerhalb von 100 Jahren von 1,00 US-Dollar in 1913 auf 0,05 US-Dollar in 2013 gefallen (siehe: https://visual.ly/community/infographic/economy/purchasing-power-us-dollar-1913-2013). Auch der Außenwert des Euro ist zwischen 2008 und 2017 um ca. 35% gefallen von 1,60 US-Dollar/Euro auf 1,05 US-Dollar/Euro.
  5. Um Bitcoin zu kaufen, braucht man bestimmte Software: einen sogenannten Bitcoin-Client (siehe: https://bitcoin.org/de/download). Gespeichert werden die digitalen Münzen in einem virtuellen Geldbeutel, der Wallet (siehe: https://bitcoin.org/de/waehlen-sie-ihre-wallet). Erst so ist es möglich, an bestimmten Börsen Bitcoin zu kaufen (siehe: http://bitcoins21.com/start-bitcoin/ oder  https://www.perfect-privacy.com/german/2016/03/23/bitcoin-client-und-wallet-einrichten/).
  6. Den höchsten Kurs jemals erreichte Bitcoin am 17.08.2017 mit einem Stand von 4.479,33 US-Dollar. Eine rasante Entwicklung. Erst zu Monatsbeginn knackte die digitale Währung die 3.000-Dollar-Marke, dann ging es stetig aufwärts. Technische Neuerungen hatten für die Bitcoin-Rallye gesorgt. Hinweis: Aufgrund der rasanten Entwicklung des Bitcoin-Marktes und seiner hohen Volatilität ist dieser Absatz standardmäßig ständig veraltet. Die aktuellsten Zahlen zu Bitcoin-Kurs und Marktkapitalisierung finden Sie unter Coinmarketcap.com (http://www.coinmarketcap.com). Berühmt ist die erste Zahlung: 10.000 Bitcoin hat ein Programmierer 2010 in Florida für zwei Pizzen bezahlt. Die Pizzen dürften dem Unbekannten auf dem Magen liegen, der heutige Wert von 10.000 Bitcoin entspricht 35,173 Millionen Euro.
  7. Das «Mining» – also die Errechnung neuer Bitcoins – ist vor allem in China weit verbreitet. Laut Schätzungen, werden 70% aller neuen Münzen dort gewonnen. Das birgt Klumpengefahr. Nachrichten aus dem Reich der Mitte, die Bitcoin betreffen, haben starke Kurs- und damit Wertauswirkungen. Die Architektur der Bitcoin Blockchain sieht vor, dass sämtlich Miner zusammen maximal 21 Millionen Bitcoin erstellen können. Die Kryptowährung ist so programmiert, dass darüber hinaus keine weiteren Bitcoin generiert werden können. Es wird erwartet, dass diese Zahl ungefähr um 2135 herum erreicht wird. Die Begrenzung der Anzahl soll vor Inflation schützen. Weiterführende Informationen zum Mining von Bitcoins findet man hier: https://www.bitcoinmining.com/.
  8. Im April 2017 erhielt Bitcoin in Japan den Status eines offiziellen Zahlungsmittels. Bis Jahresende soll es möglich sein, in bis zu 300’000 Geschäften mit Bitcoin zu bezahlen. Zürich war 2014 die dritte Stadt in Europa, in der ein Gerät zum Wechseln von Geld in Bitcoins stand. Der erste Bankomat dieser Art wurde ein Jahr zuvor, in Kanada in Betrieb genommen. Als weltweit erste Behörde akzeptierte die Stadt Zug in der Schweiz seit 2016 Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Das Pilotprojekt wurde bereits in die Verlängerung geschickt.

Fortsetzen möchte ich diesen Artikel mit ein paar Hinweisen aus eigenen Recherchen.

Einen ausführlichen Fachartikel mit den Grundlagen der Blockchain-Technologie unter der Überschrift „Blockchain Basiswissen“ hatte ich bereits am 25.01.2017 veröffentlicht; sie finden ihn hier: https://kubraconsult.blog/2017/01/25/blockchain-basiswissen/.

Die folgende Grafik zeigt die wesentlichen Unterschiede zwischen Bitcoin und anderen Asset-Klassen, wie Gold, Aktien, Immobilien oder Derivate – abgesehen davon, dass Bitcoin eine Plattform für den anonymen und sicheren Transfer von digitalem Geld rund um den Globus ohne Zwischenhändler bietet:

Bitcoin und andere Kryptowährungen unterscheiden sich steuerlich nicht von anderen Asset-Klassen: Realisierte Gewinne unterliegen der Besteuerung unter Berücksichtigung der jeweiligen landesspezifischen Gesetze.

Wie bereits erwähnt, sieht die Architektur der Bitcoin-Blockchain vor, dass alle Miner zusammen nicht mehr als insgesamt 21 Millionen Bitcoin schürfen können, und es wird erwartet, dass diese Grenze um das Jahr 2135 erreicht wird. Der „Satoshi“ ist die derzeit kleinste Einheit der Bitcoin-Währung, die auf der Bitcoin-Blockchain verarbeitet werden kann. Ein Satoshi entspricht einem Hundertmillionstel eines einzelnen Bitcoins (= 0,00000001). Die Einheit wurde als Hommage an den ursprünglichen Schöpfer von Bitcoin, Satoshi Nakamoto, benannt. 21 Millionen Bitcoins (= 21.000.000) multipliziert mit 100 Millionen Satoshi (= 100.000.000) führt zu einer Geldmenge von 2,1 Trillionen Einheiten (2.100.000.000.000.000.000).

Die Europäische Zentralbank (EZB) definiert drei „Aggregate“ (M1, M2, M3) zur Beschreibung der Geldmenge in der Eurozone:

  • M1 („Narrow Money“) ist die Summe aus Bargeldumlauf und Tagesgeldern;
  • M2 („Intermediate Money“) ist die Summe aus M1, Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu zwei Jahren und Einlagen mit einer gesetzlichen Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten; und
  • M3 („Broad Money“) ist die Summe aus M2, Pensionsgeschäften, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.

Im Oktober 2017 lag in der Eurozone das „Narrow Money“ M1 bei 7.701.174 Mio. EUR (= ca. 7,7 Billionen EUR), das „Intermediate Money“ M2 bei 11.132.651 Mio. EUR (= ca. 11,1 Billionen EUR) und das „Broad Money“ lag bei 11.804.000 Mio. EUR (= ca. 11,8 Billionen EUR). Die jeweils aktuelle Geldmenge der Eurozone und anderer Währungen kann man unter Tradingeconomics.com nachsehen: https://tradingeconomics.com/euro-area/money-supply-m1.

Stand 01.12.2017 ist bereits eine Gesamtzahl von 16.712.737 Bitcoins erzeugt worden, was 1.671.273.700.000.000 Satoshi (1,671 Trillionen Einheiten) entspricht. Somit scheint es genügend Manövriermasse für alle möglichen Bedarfe zu geben.

Ein interessanter Artikel unter der Überschrift „What happens to Bitcoin Miners, when all coins are mined?“ wurde am 15.08.2015 auf Bitcoin.com von Evan Faggart veröffentlicht: https://news.bitcoin.com/what-happens-bitcoin-miners-all-coins-mined/.

Während Kryptowährungen, wie der Bitcoin, potenzielle Investoren durch zum Teil wilde Kurssprünge verunsichern, hat die Bitcoin Blockchain in den vergangenen 8 Jahren seit ihrer Einführung bislang jeder Cyberattacke widerstanden. Zwar konnten die Plattformen einiger Bitcoin-Handelsplattformen gehackt werden (siehe: https://bitcoinblog.de/2016/06/20/zwoelf-der-groessten-bitcoin-hacks/), nicht aber die Bitcoin Blockchain selbst. Dies liegt im Wesentlichen daran, dass Blockchains einen völlig anderen (dezentralen, sicheren) Ansatz bieten, um Informationen zu speichern, Transaktionen durchzuführen bzw. Funktionen auszuführen und Vertrauen („Trust“) zu etablieren. Diese macht die Blockchain-Technologie besonders interessant für Anwendungsfälle mit besonders hohen Sicherheitsanforderungen oder Anwendern, die anonym bleiben möchten bzw. müssen. Ein Artikel, der unter der Überschrift „Cryptocurrency Cyber Crime has cost victims millions this year“ am 24.08.2017 auf Bloomberg.com veröffentlicht wurde, beschreibt die vier wichtigsten Cyber Crime-Bedrohungen (Phishing, Ausnutzung von Systemschwächen, Hacking, Ponzi-Schema): https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-08-24/cyber-criminals-extracting-a-heavy-toll-from-ethereum-advocates.

In diesem Forbes.com-Artikel vom 21.08.2017 unter der Überschrift „3 ways Blockchain is revolutionizing Cybersecurity“ werden aktuelle Entwicklungen im Hinblick auf die Sicherheit der von Blockchains beschrieben (einschließlich „Keyless Signature Infrastructure (KIS)“: https://www.forbes.com/sites/omribarzilay/2017/08/21/3-ways-blockchain-is-revolutionizing-cybersecurity/.

Sehr wichtiger Hinweis: Eine Blockchain ist keine Datenbank, d. h. man kann in einer Blockchain keine Dokumente oder Objekte speichern, sondern nur auf Dokumente oder Objekte verweisen, die außerhalb der Blockchain gespeichert werden müssen.

Ferner ist die Blockchain-Technologie heute noch nicht für Anwendungen geeignet, die Antwortzeiten im Millisekundenbereich erfordern (wie z. B. die Realtime-Vernetzung von Geräten im Internet of Things), denn das Validieren und Verifizieren einer Bitcoin-Transaktion dauert ca. 15 Minuten. Das Kreditkartenunternehmen VISA kann pro Sekunde ca. 25.000 parallele Transaktionen verarbeiten, der Bargeldtransfer-Anbieter Western Union ca. 750 und die Bitcoin-Blockchain ca. 7. Darüber hinaus sind auch die Latenzzeiten der Netze zu beachten, über die die Datenübertragung von/zu Blockchains erfolgt.

Wie das „Mining“ von Bitcoins funktioniert, kann man in diesem CHIP-Praxistipp vom 03.08.2017 unter der Überschrift „Bitcoin-Mining – so geht’s“ nachlesen (siehe: http://praxistipps.chip.de/bitcoins-mining-so-gehts_2814). Die Geschwindigkeit des Bitcoin-Minings hängt von einigen Faktoren ab. Sie müssen verschiedene Aspekte wie Ihre Stromkosten, die Kosten der entsprechenden Hardware und anderer Variablen berücksichtigen. Je mehr Bitcoin Miners sich in einem Netzwerk befinden, desto schwieriger wird es, Bitcoins zu erzeugen. Bitcoin Mining verbraucht viel Strom. Bei hohen Stromkosten lohnt sich das Mining oftmals nicht. Um Bitcoin Mining zu betreiben, müssen Sie einem Miningpool beitreten, was zusätzlich kostet. Für das Mining benötigen Sie entsprechende Hardware. Auch hier kommen Kosten auf Sie zu. Je nachdem wie leistungsfähig Ihr Bitcoin Miner sein soll, zahlen Sie bis über 2.000 €.

Das folgende Bild zeigt einen Techniker, der am 11.08.2017 Bitcoin Mining-Maschinen in einer Mining-Anlage inspiziert, die von Bitmain Technologies Ltd. in Ordos, Innere Mongolei, betrieben werden. Bitmain.com ist einer der führenden Produzenten von Bitcoin Mining-Equipment. Bitmain.com betreibt auch Antpool, einen „Processing-Pool“, der individuelle Miner aus China und anderen Ländern vereint, zusätzlich zum Betrieb der größten digitalen „Währungsmine“ der Welt (source: Qilai Shen/Bloomberg).

Technician inspects Bitcoin Mining machines.jpg

Im Herbst 2017 liefen reißerische Meldungen über die Nachrichtenticker mit Titeln wie „Der Stromverbrauch von Bitcoin-Minern war 2017 höher als der von 159 Staaten“. Laut einer Studie von PowerCompare auf Basis von Daten von Digiconomist soll der weltweite Stromverbrauch für das Bitcoin-Mining in 2017 bei 29 Terawattstunden pro Jahr liegen (siehe: http://www.businessinsider.de/bitcoin-stromverbrauch-miner-2017-11).

Ein sehr interessantes Video, das am 13.12.2017 von btc-echo.de veröffentlicht wurde (siehe: https://youtu.be/AXm_PEia6Ts) kommt auf Basis sorgfältiger Recherchen zu folgendem Ergebnis: Bitcoin-Mining verbraucht mit 32,6 tWh nur 0,0002% der weltweiten Stromproduktion von 155.505 tWh. Im Hinblick auf die weltweiten CO2-Emissionen entfallen nur 0,0007% der 36 Millionen kT auf Bitcoin.

Diese Relation zeigt, wie absurd es ist, das Thema „Stromverbrauch“ als Argument gegen Bitcoins zu zitieren.

Bitcoins werden in so genannten „Wallets“ gespeichert. Laut einem Blog vom 24.03.2017 unter der Überschrift „How many people in the world own bitcoin or Ethereum?“ (siehe: https://www.quora.com/How-many-people-in-the-world-own-bitcoin-or-ethereum) gab es zu diesem Zeitpunkt ca. 14 Millionen Bitcoin Wallets (Angabe stammt von CoinDesk) und ca. 1,2 Millionen Ethereum Wallets (Angabe stammt von EtherScan) – wobei sich darunter auch stillgelegte Wallets befinden. Außerdem kann ein Nutzer mehrere Wallet besitzen. Aus Sicherheitsgründen wird sogar empfohlen, für verschiedene Anwendungsfälle unterschiedliche Wallets zu eröffnen bzw. zu benutzen.

Dies führt unmittelbar zu der Frage, wer denn die größten Menge an Bitcoins besitzt. Dies ist insofern wichtig, weil es in der Vergangenheit immer wieder Gerüchte gab, dass der Großteil der Bitcoins in der Hand von nur einigen wenigen Investoren liegt. Laut diesem Artikel unter der Überschrift „7 People Set to Make a Killing from the Bitcoin Boom“, der am 30.05.2017 auf Fortune.com veröffentlicht wurde (siehe: http://fortune.com/2017/05/30/bitcoin-biggest-investors/) scheint dies nicht so zu sein. Als top 7 Bitcoin-Profiteure werden in dem Artikel folgende Personen genannt:

  1. Tim Draper (Venture Capitalist) mit ca. 30.000 Bitcoins
  2. Tyler and Cameron Winklevoss (Investors) mit ca. 1% aller Bitcoins, die sich im Umlauf befinden
  3. Barry Silbert (Venture Capitalist) mit ca. 48.000 Bitcoins
  4. Charlie Shrem (früherer Gründer und CEO von BitInstant)
  5. Satoshi Nakamoto (Bitcoin Inventor) mit ca. 5% aller Bitcoins, die sich im Umlauf befinden
  6. Uncle Sam, also der US-amerikanische Staat, da der „Internal Revenue Service (IRS)“ seit 2016 begonnen hat Bitcoin Investoren zu identifizieren, um Kapitalertragssteuer von ihnen einziehen zu können. Im Kalenderjahr 2015 haben in den USA nur 802 Steuerzahler angegeben, Einkommen aus Bitcoins erzielt zu haben.

Am 01.08.2017 hat sich eine neue Kryptowährung namens „Bitcoin Cash“ von der ursprünglichen Bitcoin-Währung abgespalten. Die ursprüngliche Kryptowährung besteht aus Blöcken von einem Megabyte. Durch die zunehmende Beliebtheit der Bitcoins laufen Transaktionen so aber nur sehr langsam ab. Deswegen haben einige Entwickler eine zweite Währung namens Bitcoin Cash entwickelt, die die Bitcoin-Blockchain klont, aber deren Blöcke bis zu acht Megabyte groß sein können. Diese Währung verzichtet auf das so genannte „Segregated Witness“-Konzept – auch bekannt als „SegWit“. SegWit ist der Prozess in dem Signatur-relevante Daten aus Bitcoin-Transaktionen entnommen werden, wodurch die Größe des Transaktionsblockes abnimmt, so dass mehr Transaktion in einen Block bei der selben Größe passen.

Kaum hat sich die Aufregung um Bitcoin Cash gelegt, wird schon über die nächste Spaltung von Bitcoin spekuliert, da die beiden existierenden Lösungen immer noch nicht alle zufriedenstellen und es Entwickler gibt, die dafür plädieren, das beste aus beiden Welten in einer dritten Bitcoin-Währung zu vereinen. Deshalb wird es voraussichtlich ab November 2017 drei Versionen der beliebtesten Kryptowährung geben. Die neue Währung unter dem Namen Segwit2x soll sich insofern von den anderen beiden unterscheiden, als dass sie einen Block aus zwei Megabyte kreiert und genau wie die ursprüngliche Kryptowährung auf das „Segregated Witness“-Konzept setzt. Dieses soll die Transaktionen schneller machen, indem es keine Signaturen in die Blöcke packt.

Mitte 2016 kam mit der Ethereum Blockchain die erste Blockchain auf den Markt, die in der Lage war, so genannte „Smart Contracts“ abzuwickeln, was eine wesentliche Innovation bzw. Erweiterung der Blockchain-Technologie darstellt und neben Ethereum auch von der NEO Blockchain (früher bekannt als AntShares) angeboten wird. Smart Contracts sind automatisierte Vereinbarungen zwischen Anwendern, deren Umsetzung von allen möglichen Ereignissen oder Prüfungen abhängen kann – z. B. von einem bestimmten Datum oder vom Ausgleich eines bestimmten Accounts durch Bezahlung einer Leihgebühr für ein geliehenes Objekt. The Ethereum und NEO blockchain bieten beide Unterstützung von Programmiersprachen an. Vitalik Buterin, der Entwickler der Ethereum Blockchain, sah das Fehlen einer solchen Unterstützung als wesentlichen Nachteil der Bitcoin Blockchain an. Die Idee von Buterin scheint zu verfangen, denn Ethereum ist mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 28,768 Milliarden USD (Stand: 22.08.2017) die zweitgrößte Kryptowährung im Markt.

NEO ermöglicht Entwickler das Schreiben von Programmen für Smart Contract und andere Anwendungen auf Basis von marktüblichen Programmiersprachen, wie .NET und Java und plant in Zukunft auch Python, Go und Java Script zu unterstützen. Die NEO Blockchain unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von den Bitcoin und Ethereum Blockchains: Während bei Bitcoin und Ethereum die Anonymität der Anwender wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist, benutzt die NEO Blockchain ein Digitales Identity System, um die Integration von NEO mit der „real-world Economy“ zu erleichtern. Dies hat zwar einerseits Nachteile, wenn Anonymität eine wesentliche Motivation ist für den Anwender ist, Kryptowährungen auf Blockchain-Basis zu nutzen, anderseits gehen Experten davon aus, dass das Digital Identity System NEO einen Wettbewerbsvorteil auf seinem chinesischen Heimmarkt verschaffen wird (zur Erinnerung: ca. 70 % des Bitcoin-Minings findet in China statt). Mit einer Marktkapitalisierung von 1,637 Milliarden USD ist NEO aktuell (Stand: 22.08.2017) bereits die neuntgrößte Kryptowährung im Markt.

Die folgende Tabelle bietet einen guten Überblick über die Top 100 Kryptowährungen mit einer kurzen Beschreibung ihrer jeweiligen Besonderheiten (die Rangfolge basierend auf der Marktkapitalisierung, wie sie von coinmarketcap.com am 07.11.2017 ausgewiesen wurde):

 

Ein spezielles Thema in Zusammenhang mit Kryptowährungen sind so genannte „Initial Coin Offerings“ (ICOs). Es handelt sich dabei um eine nicht regulierte Alternative zu den stark regulierten „Initial Public Offerings (IPO)“, bei den erstmalig Aktien eines Unternehmens interessierten Anlegern zum Kauf angeboten werden. Dabei verkaufen die Gründer von Unternehmen (üblicherweise Startups) unter Verwendung der Blockchain-Technologie die digitalen Tokens ihres Ökosystems. Investoren erhalten diese Tokens im Austausch gegen andere Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Sie bekommen anders als bei dem konventionellen Börsengang eines Unternehmens, also dem IPO, häufig weder Anteile an dem Projekt noch andere Sicherheiten.

Laut Coinschedule (http://www.coinschedule.com) gab es in 2017 bis Mitte November weltweit insgesamt 211 Initial Coin Offerings mit einem Volumen von insgesamt 3,4 Milliarden US-Dollar. Wie meistens im Leben gilt auch hier „Augen auf bei der Partnerwahl“. Wer ungeprüft sein Geld in ein ICO investiert, muss sich nicht wundern, wenn der „Pump&Dump“-Effekt eintritt und die Anbieter mit dem Geld durchbrennen. Letztlich ist dieses Risiko aber natürlich nicht auf ICOs beschränkt; schließlich findet man auch bei konventionellen Investitionsvorhaben jede Menge Lügner&Betrüger.

Die folgenden Business Insider-Artikel, die beide am 14.11.2017 veröffentlicht wurden, verschaffen einen guten Überblick über die potenziellen Missbrauch von ICOs durch Betrüger:

In 2014 wurde von Susanne Tarkowski Tempelhof mit „Bitnation“ der erste virtuelle Staat („Kryptonation“) der Welt gegründet. Zitat: „Bitnation versteht sich als Grassroot-Bewegung, will Grenzen sprengen und Institutionen überflüssig machen. „Bitnation interessiert nicht, wo du herkommst, wo du lebst oder welchen Pass du hast. Jeder hat das Recht darauf, hochklassige, wettbewerbsfähige Staatsleistungen in Anspruch zu nehmen“, postuliert die Plattform. Bitnation will, wie ein normaler Staat, über ein eigenes Bildungswesen, ein Botschafternetzwerk und eine Raumfahrtagentur verfügen.“ (siehe: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/bitcoin-statt-bargeld-und-bitnation-statt-staat-regierung-14050237.html). Diese außergewöhnliche Idee ist ein weiterer Beweis für das Potenzial bzw. die Tragweite und Vielfältigkeit des Blockchain-Konzeptes.

Daran anknüpfend möchte ich den eingangs bereits angesprochenen Aspekt nochmals aufgreifen, warum der Bitcoin überhaupt entwickelt wurde. Am 04.08.2017 hat der Reddit-Anwender „hodlgentlemen“ einen Artikel unter der Überschrift „„Just a quick reminder, why bitcoin was invented in the first place“ veröffentlicht (siehe: https://www.reddit.com/r/Bitcoin/comments/6rr6ph/just_a_quick_reminder_why_bitcoin_was_invented_in/).

Der Reddit-Artikel mündet in folgendem Fazit: „„So, if you find yourself religiously checking some cryptocurrency’s price, or bogged down in discussions about the “one true bitcoin”, or constantly asking what currency to buy, please at least remember that we have bigger fish to fry. We are here to fix the financial system.“ The major purpose of cryptocurrencies is to eliminate the influence and power of central intermediaries by an alternative system of decentralized trust. Period. If you want to know, why something has been invented or set up, it is always a smart question to ask: „Who benefits it?“. This applies for the approx. 160 fiat money currencies at our planet as well as for the more than 1,060 cryptocurrencies, which have been introduced as per today in the cyberspace.“

Sowohl der Reddit-Artikel, als auch die über 5.000 Kommentare anderer Reddit-Nutzer, sind interessant und lesenswert.

Der Kryptographie-Markt geht übrigens weit über Bitcoin und Kryptowährungen hinaus — schlussendlich geht es um die Gestaltung einer besseren, dezentralen, (digitalen) Welt — wie dieser Fachartikel (https://medium.com/birds-view/mapping-the-decentralized-world-of-tomorrow-5bf36b973203), der am 01.06.2017 auf Medium.com unter der Überschrift „Mapping the decentralized world of tomorrow“ erschienen ist, und die daraus entnommene folgende Grafik, illustrieren:

Crypto Market Overview.png

Stellen Sie sich vor, dass die Bundesrepublik Deutschland alle wesentlichen staatlichen Verwaltungsleistungen in eine zentrale Blockchain („Cyber Germany“) überführen würde, so dass z. B. Einwohnermeldeamt, Kfz-Zulassung, Kindergeld, Kataster oder Wahlen („eVoting“) von interessierten Bürgern mit Hilfe des (bereits existierenden) elektronischen Personalausweises digital abgewickelt werden können.

In den Fällen, wo der elektronische Personalausweis nicht ausreicht, könnte man das (ebenfalls bereits existierende) PostIdent-Verfahren mit Video-Legitimation nutzen (siehe: https://goo.gl/BSa6vZ), statt die Bürger auf die Ämter zu zitieren und stundenlang dort warten zu lassen.

Wenn sich „Cyber Germany“ bewährt, könnte man Schritt für Schritt die Daten aus den existierenden IT-Systemen von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden in die Blockchain überführen bis die alten IT-Systeme komplett abgeschaltet werden können.

Selbst eine eigene virtuelle Währung („German Bitcoin“) könnte man auf Basis der Blockchain parallel zum Euro einführen (als Rettungsanker für den Tag X, wenn uns der Euro um die Ohren fliegt) und damit z. B. Steuerzahlungen abwickeln.

Deutschland könnte sich als innovativer Vorreiter bei der Digitalisierung öffentlicher Verwaltungen profilieren …

Abschließend finden Sie hier noch einige interessante bzw. weiterführende Links für eigenen Recherchen oder zum Ausprobieren der Bitcoin-Technologie:

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